Wie KI das Gesundheitswesen revolutioniert, was Fitness damit zu tun hat – und was als Nächstes kommt
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Bar ohne Namen
Entschlossen verweigert sich Savage, der Bar einen Namen zu geben. Stattdessen sind drei klassische Design-Symbole das Logo der Trinkstätte in Dalston: ein gelbes Quadrat, ein rotes Viereck, ein blauer Kreis. Am meisten wurmt den sympathischen Franzosen dabei, dass es kein Gelbes-Dreieck-Emoji gibt. Das erschwert auf komische Weise die Kommunikation. Der Instagram Account lautet: a_bar_with_shapes-for_a_name und anderenorts tauchen die Begriffe ‘Savage Bar’ oder eben ‚Bauhaus Bar‘ auf.
Für den BCB bringt Savage nun sein Barkonzept mit und mixt für uns mit Unterstützung von Russian Standard Vodka an der perfekten Bar dazu.
Künstliche Intelligenz (KI) verändert derzeit viele Branchen – das Gesundheitswesen eingeschlossen. Die aktuellen Anwendungsfelder reichen von der digitalen Diagnostik über die Patientenverwaltung bis hin zur automatisierten Software-Programmierung. Doch wie radikal fällt der Wandel wirklich aus? Und welche Rolle spielt dabei der Fitnessmarkt – ein Bereich, der oft noch getrennt vom klassischen Gesundheitswesen betrachtet wird?
KI versus Arzt und Trainer?
Ein Wissenschaftler, der sich solchen Fragen passioniert stellt, ist Prof. Dr. David Matusiewicz. Er ist Gesundheitsökonom, Hochschulprofessor und ein gefragter Keynote-Speaker, unter anderem mit Vorträgen auf der FIBO 2025. „Technologie ersetzt keine Menschen – aber sie kann ihnen Zeit schenken und Fehler vermeiden helfen“, so sein Credo. „Ein Arzt oder Trainer, der mit digitalen Werkzeugen arbeitet, wird bessere Entscheidungen treffen als jemand, der alles analog macht.“
© Prof. David Matusiewicz
Zwei Systeme – eine Aufgabe?
Bisher existieren das klassische Gesundheitssystem (Hausärzte, Krankenhäuser, Reha-Einrichtungen…) und der sogenannte „zweite Gesundheitsmarkt“ (Fitnessstudios, Personal Trainer, Gesundheits-App-Anbieter…) weitgehend nebeneinander. Gemeinsame Schnittstellen sind selten. Daten fließen kaum zwischen diesen beiden Welten. Dabei hätten gerade digitale Lösungen – zum Beispiel Gesundheits-Tracking, KI-gestützte Analysen, Wearable-Daten oder personalisierte Coaching-Systeme – großes Potenzial, auch medizinisch nutzbar zu sein (und umgekehrt).
„Eine systematische Verzahnung dieser beiden Märkte könnte sehr hilfreich sein“, so Prof. Matusiewicz. „Fitness ist mehr als Lifestyle. Es ist Prävention, Nachsorge, manchmal sogar Therapie – auch wenn dies vom derzeitigen Gesundheitssystem kaum anerkannt wird.“
Was KI leisten kann – und wo Fitness eine Rolle spielt
KI kann im Gesundheitswesen schon heute viele Routineaufgaben übernehmen: Diagnosen vorschlagen, Patientenakten auswerten, sprachgesteuerte Dokumentation ermöglichen oder Frühwarnsysteme in Pflegeeinrichtungen steuern. In der Fitnessbranche wiederum kann KI personalisierte Trainingspläne entwickeln, Leistungsdaten analysieren, Gesundheitsdaten automatisch mit anderen Systemen synchronisieren oder über Gamification motivieren. Seit KI werden die Schnittstellen zwischen Mensch und Technologie sogar zunehmend emphatisch.
Eine besondere Rolle kommt dabei digitalen Therapeutika zu, so Prof. Matusiewicz: „Ein digitales Therapeutikum, kurz DTx, ist eine Software, die als Medizinprodukt eingesetzt wird, um eine Krankheit oder Störung zu behandeln, sie zu lindern oder ihr vorzubeugen. DTx beruhen auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und können unabhängig oder ergänzend zu anderen Therapien eingesetzt werden, um die Patientenversorgung zu verbessern.“ Doch genau hier liegt der Knackpunkt: Solange Datenhoheit, Datenschutz und Systemgrenzen nicht überwunden werden, bliebe das Potenzial weitgehend ungenutzt. Matusiewicz fordert daher mehr Mut: regulatorische Sandkästen, in denen neue Lösungen erprobt werden können sowie klare Leitlinien für die Zusammenarbeit zwischen Fitness, Medizin, Krankenkassen – und eben den neuen Technologien.
Eine Frage der Haltung – und der Verantwortung
Neben technologischen Voraussetzungen geht es auch um kulturelle und gesellschaftliche Aspekte. Matusiewicz betont, wie entscheidend der Lebensstil für die Gesundheit ist – und zwar nicht erst im Alter, sondern von Anfang an: „Alterspflege fängt im Kindergarten an. Man muss seine Gesundheitsroutinen, seine gesunde Lebenshaltung, seinen Lifestyle bereits im Kindesalter entwickeln.“ Gesundheit wird zu einer aktiven Lebensentscheidung – und zu einer Frage der Eigenverantwortung. „Krankheiten sind oft wie geladene Kanonen: Es kommt auf den Menschen an, ob er den Abzug drückt.“ Und genau da kann KI helfen. Denn u.a. mit ihrer Hilfe ließen sich Notwendigkeiten und Möglichkeiten oft frühzeitig genug erkunden – speziell im Bereich der Molekularen Medizin – um zu vermeiden, dass Krankheiten ausbrechen. Damit wird klar: „Prävention, Bildung und die frühzeitige Förderung von Gesundheitsbewusstsein müssen die zentralen Pfeiler einer künftigen Gesundheitsstrategie sein – und auch einer verantwortungsvollen Nutzung von KI“, so der Wissenschaftler und Ökonom.
Molekulare Medizin als Schlüsseldisziplin
Molekulare Medizin stellt nach Matusiewicz Ansicht ein weiteres Zukunftsfeld dar, um essenzielle Brücken zu bauen: Molekulare Medizin ist ein interdisziplinäres Feld, das die Lücke zwischen Grundlagenforschung und klinischer Anwendung schließt. Es nutzt Methoden der Biologie, Biochemie, Genetik und Pharmazie, um die molekularen Ursachen von Krankheiten zu verstehen und darauf basierend gezielt Therapien zu entwickeln. Matusiewicz: „Digitale Verfahren wie die KI-basierte Auswertung genetischer Daten werden künftig eine immer größere Rolle spielen – speziell in der personalisierten Therapie oder in der Risikoanalyse“, so die Prognose des Wissenschaftlers.
Ausblick: Longevity als Brücke der Zukunft?
Eine Entwicklung, die im immer stärker werdenden Themenfeld von Longevity eine große Rolle spielt – also bei der Frage, wie Menschen möglichst lange gesund leben können. Hier ist die Grenze zwischen Medizin, Prävention, Lebensstil und Technologie besonders durchlässig. Matusiewicz hat dazu klare Perspektiven vor Augen:
„Wenn wir Gesundheit und Prävention als lebenslange Aufgaben verstehen, dann gehören Fitness, Ernährung, Schlaf und mentale Gesundheit genauso dazu wie Laborwerte und Diagnosen. Die Zukunft liegt in der Kombination – und in Systemen, die all diese Welten miteinander verbinden.“
Genau darin liege auch die große Chance der KI: Als Brücke zu fungieren zwischen bislang getrennten Systemen – und als Werkzeug, das Menschen dabei hilft, nicht nur länger zu leben, sondern besser.

