FIBO logo
8–11 April 2027
Messegelände Köln

Neurozentriertes Training: Was steckt dahinter?

© Andreas Sebayang

Bar ohne Namen

Entschlossen verweigert sich Savage, der Bar einen Namen zu geben. Stattdessen sind drei klassische Design-Symbole das Logo der Trinkstätte in Dalston: ein gelbes Quadrat, ein rotes Viereck, ein blauer Kreis. Am meisten wurmt den sympathischen Franzosen dabei, dass es kein Gelbes-Dreieck-Emoji gibt. Das erschwert auf komische Weise die Kommunikation. Der Instagram Account lautet: a_bar_with_shapes-for_a_name und anderenorts tauchen die Begriffe ‘Savage Bar’ oder eben ‚Bauhaus Bar‘ auf.

 

Für den BCB bringt Savage nun sein Barkonzept mit und mixt für uns mit Unterstützung von Russian Standard Vodka an der perfekten Bar dazu.

 

 

 

 

Expertin Luise Walther im Interview über die Trainingsmethode

Luise Walther ist als Expertin für Neurozentriertes Training spezialisiert auf die funktionelle Neurologie und das neuronale Bewegungstraining. Sie hat umfangreiche nationale und internationale Weiterbildungen, gerade im Bereich der funktionellen Neurologie, absolviert. Durch die jahrelange Zusammenarbeit mit Orthopäden und Unfallchirurgen verfügt sie über ein fundiertes Fachwissen in der Rehabilitation, Verletzungsprophylaxe und Performance-Steigerung. Wir haben mit ihr über das Neurozentirerte Training gesprochen.  

 

FIBO: Luise, Du bist Expertin für neurozentriertes Training. Erklär uns bitte, was das genau ist.    

Luise Walther: Neurozentriertes Training bedeutet gehirnbasiertes Training. Es beruht auf der Tatsache, dass Bewegungen und Schmerzen im Gehirn entstehen. Unser Gehirn steuert was wir machen, denken, fühlen und wie wir uns bewegen und spüren. Das Neurozentrierte Training setzt genau dort an, wo Schmerzen und Bewegung entstehen, im Gehirn. Im Training betrachte ich die körperliche Leistungsfähigkeit aus dieser Perspektive.

 

FIBO: Wie schätzt Du Deine Trainingsansätze gegenüber den Ansätzen der klassischen Medizin ein?

Luise: Man muss ganz klar unterscheiden, ob es sich um Medizin oder Training handelt. Ich bin Trainerin und fokussiere mich auf Schmerz und Performance Coaching. Das hat nichts mit Medizin zu tun. Mein Anspruch ist aber, die Lücke zwischen medizinischer Grundversorgung und eigenständigem Training zu schließen. Der medizinische Blick ist bedingt durch das Ausbildungs- und Abrechnungssystem oftmals sehr zerstückelt. Die Orthopäden schauen auf Knochen, Bänder und Gelenke, aber selten auf Organe. Der HNO-Arzt sieht selten Zusammenhänge zum Kiefer oder den Zähnen, schließlich sind dafür die Fachärztinnen der Zahnheilkunde zuständig. Die hollistische Betrachtung auf den menschlichen Körper mit all seinen Funktionen ist in der Medizin noch in den Kinderschuhen. Ernährung spielt zum Beispiel so gut wie keine Rolle im Medizinstudium. Wie wichtig Ernährung aber im Zusammenhang mit Erkrankungen und Leistung ist, ist kein Geheimnis. Hier ist auf jeden Fall noch viel Potenzial. Die neurozentrierte Perspektive ist ein Versuch, den gesamten Körper zu betrachten und dessen Performance zu optimieren. Meiner Meinung nach sollte man sich dabei erstmal auf die Grundlagen fokussieren und dann im Einzelfall ins Detail gehen. Je mehr Schnittstellen es zukünftig zwischen Medizin, Therapie und Training gibt, umso besser. Dann kann man die Kompetenzen erweitern, die Expertise vertiefen und wirkliche Schnittstellen schaffen, die dann den Mehrwert schaffen: Für Trainierende, für das Gesundheitssystem und am Ende für das Allgemeinwohl. 

 

FIBO: Du warst auf der diesjährigen FIBO. Wie hast Du die Messe erlebt und was waren Deine persönlichen Highlights?

Luise: Die FIBO war für mich eines der Highlights in diesem Jahr. Nach all dem Social Distancing die Kolleginnen und Kollegen mal wieder in Person zu treffen, gibt eine ganz andere Tiefe für Austausch und Netzwerken. Der direkte Zugriff auf so geballtes Expertenwissen ist einmalig. Viele aus dem Netzwerk habe ich das erste Mal in Person getroffen, nachdem man über die letzten zwei Jahre Kontakte via LinkedIn und Zoom geknüpft hat. Vor Ort kommt man so schnell mit anderen Experten in Kontakt, das ist unglaublich.

Mein Highlight war definitiv die aktive Teilnahme im Programm: Vom Expertentalk über die Gruppendiskussion bis hin zum eigenen Workshop. Auf der Bühne zu stehen und meine Erfahrungen und mein Wissen zu teilen, war das Highlight. All die Fragen und Diskussionen, die dadurch entstanden sind, waren extrem wertvoll.    

 

FIBO: Im Rahmen der FIBO hast du zwei Vorträge gehalten und am Expertentalk mit Prof. Ferrauti und dem Privatdozenten Dr. Post teilgenommen. Wie liefen diese Programmpunkte für Dich?

Luise: Aktiv an dem Programm teilzunehmen ist natürlich eine große Chance, meine eigene Arbeit und Erfahrung in der Breitenwirkung zu stärken. Das Neurozentrierte Training ist immer noch eine Nische und hat oftmals ein sehr verzerrtes Außenbild. Meine Perspektive auf das Thema zu teilen und vor allem mit anderen Experten zu diskutieren, ist daher so wichtig. Ich bin der Meinung, dass nur der Austausch und Diskurs über die Themen Gesundheit und Training dazu führen wird, dass wir mehr Menschen zu einem gesünderen Lebensstil befähigen können. Gerade das Aufeinanderprallen unterschiedlicher Meinungen ist dafür wichtig. Die unterschiedlichen Perspektiven beim Expertentalk waren dafür das beste Beispiel: Die wissenschaftlichen Erkenntnisse aus der Forschung müssen Einzug erhalten in Medizin und Training. Wenn es aber beispielsweise wie bei Long Covid noch keine wissenschaftlichen Erkenntnisse gibt für die rehabilitative Behandlung und Trainingssteuerung, wollen Patienten und Kunden ja dennoch eine Empfehlung. Sowohl in der Medizin als auch im Training muss man dann schauen, was man aus Erfahrungswerten unbedenklich empfehlen kann. Gerade an diesen Schnittstellen hat man gemerkt, dass noch mehr Kommunikation notwendig ist, um in die Anwendbarkeit von Wissen zu kommen. Die beste Forschung und Lehre bringt uns nichts, wenn die nicht in die Anwendung transferiert und transformiert wird.  

 

FIBO: Du hast auch ein neues Buch veröffentlicht. Worum geht es da genau?  

Luise: Auf der FIBO habe ich dazu einen Workshop gehalten:  „Neurozentriertes Training – so trainierst du Gleichgewicht und Stabilität“. Viele Fragen sich: Was können wir tun, um unsere Körperhaltung zu verbessern? Unser Gleichgewicht trainieren! Der Zusammenhang zwischen Körperhaltung und Gleichgewicht ist vielen nicht bewusst. Ein verbessertes Gleichgewicht wirkt sich positiv auf unsere Körperhaltung und unsere Mobilität aus und wir können uns wieder frei und ausgeglichen bewegen. Nur wenige wissen um das unglaubliche Potenzial, das man mit gezieltem Gleichgewichtstraining ausschöpfen kann. Dieses Buch will das ändern. Dabei erkläre ich anschaulich die komplexen und faszinierenden Zusammenhänge zwischen Augen, Balance, Bewegung und Atmung. Anhand zahlreicher Beispiele aus meinem Traineralltag und mit vielen praktischen Übungen zeige ich, wie wir sofort aktiv werden und unser Gleichgewicht trainieren können. Die Übungen lassen sich dabei Schritt für Schritt intensivieren und der Fortschritt kann in einem individuellen Trainingsprotokoll festgehalten werden. Die Übungen setzen dabei genau dort an, wo Bewegung und Gleichgewicht entstehen: im Gehirn.

 

FIBO: Du sagtest, den Medizinern sei der Ansatz des neurozentrierten Trainings nicht so geläufig. Welche Potenziale stecken in der Kommunikation mit Ärzten und Physiotherapeuten?  

Luise: In der Kommunikation sehe ich die größten Potenziale und gleichzeitig die größte Herausforderung. Um hier erfolgsversprechende Kooperationen aufzubauen, braucht es gegenseitiges Verständnis, gegenseitige Hilfe, gegenseitiges Vertrauen auf den jeweils anderen. Absolut elementar ist jedoch eine gute, ehrliche Kommunikation. Eines der größten Probleme in diesem Bereich sind die unterschiedlichen Fachbezeichnungen zwischen interdisziplinären Disziplinen (Physiotherapeuten, Osteopathen, verschiedene Fachärzte, Trainer, etc.) und die sehr unterschiedlichen Ausbildungsstandards national und international. Dadurch kann der Wissensstand zwischen einem älteren und jüngeren Arzt, Therapeuten oder Trainer stark variieren, aber auch die unterschiedlichen Ausbildungen sind vor allem in der Physiotherapie und bei Trainern nicht standardisiert.

Hier wird sich in den kommenden Jahren nicht zuletzt auf Grund der Digitalisierung noch einiges tun: All diese Bereiche werden deutlich datengetriebener und damit gibt es eine einheitliche Ausgangssituation. Die Digitalisierung erlaubt ganz neue Formen der Kooperation und des Datenaustausches, auch wenn er hier noch viele Brücken zu schlagen gibt. Am Ende profitieren aber alle davon, wenn Kosten im Gesundheitssystem gesenkt werden, Kommunikation effektiver und effizienter abläuft und Behandlung-, Therapie- und Trainingserfolge optimiert werden. Dafür braucht es meiner Meinung nach mehr Mut und Neugierde sich auszutauschen und neue Perspektiven einzunehmen, neue Wege zu denken und zu gehen und auf allen Seiten weniger Ego und Silodenken. Dann kann man gemeinsam die Lücke zwischen Medizin und Fitness schließen.