• 7 – 10 April 2022
  • Messegelände Köln

26  September 2021, von Maximilian Gaub

Sustainable Fitness: Schwitzend die Welt retten

Welche Rolle kann der Mix aus Exercise und Gaming im Fitnessstudio der Zukunft haben? Ein Gespräch über Zielgruppen, Nutzungsverhalten – und die Kraft von Power Usern.  

© Shutterstock

Wie wäre es, nur mal als kleines Gedankenspiel, beim Training noch etwas Gutes für die Welt zu tun? Genau diese Idee verfolgt das noch junge Segment der Fitnessbranche, im englischsprachigen Raum schon länger bekannt als Sustainable Fitness. Einer der Vorreiter dieses vielversprechenden Ansatzes ist Laurent Petit, Gründer des Startup Active Giving. Seine Idee ist einfach wie revolutionär zugleich: Seine App macht es möglich, etwas Gutes für’s Klima zu tun und Bäume zu pflanzen - als Belohnung für das eigene Training. Petit möchte mit seinem Konzept besonders jene Menschen ansprechen, die sich - wer kennt es nicht - an manchen Tagen einfach schwer tun, die Sportschuhe anzuziehen. “Diese Menschen”, sagt Petit dem FitTech Insider, “finden vielleicht eine andere Motivation: Sie raffen sich nicht nur für sich selbst auf, sondern auch für den Planeten.” 

 

 

© Active Giving

Gründer Laurent Petit verbindet Training und Klimaschutz

Fitness und Klima verbunden via Tech: “Jeder Kilometer hat eine Auswirkung”

Active Giving also verbindet Fitness mit Klimaschutz über Technologie, und das für möglichst viele Menschen. In Zukunft plant Petit und sein Team, der App ein soziales Netzwerk zu verpassen, sodass Menschen miteinander in Kontakt treten und ihre Erfolge teilen können.

“Unsere Vision ist es, in Zukunft die erste soziale Fitness-Plattform für einen guten Zweck zu werden.” Tatsächlich haben die Macher von Active Giving viel vor. “Wir wollen eine App werden, die in das tägliche Leben der Menschen integriert ist. Das Wichtigste ist, dass es keine Rolle spielt, was du tust, ob du einen Kilometer läufst oder für Iron Man trainierst, es hat eine Auswirkung”, sagt Petit. “Ich denke, es ist sehr aufregend, gerade jetzt in diesem Bereich tätig zu sein, wenn die Menschen verstehen, dass jetzt die Zeit für Veränderungen gekommen ist.”

Strom dank Muskelkraft: “Zeit, etwas von der Power zurückzugeben”

Zeit für Veränderungen also, eben auch in der Fitnessbranche. Diesen Ansatz verfolgt auch Gold’s Gym, die legendäre Fitnesskette, gegründet 1965 vom ehemaligen US-Marinesoldat Joe Gold. Sie hat im April in Berlin-Spandau das erste Fitnessstudio der Welt gegründet, das komplett CO2-neutral arbeitet. Dafür sorgt ein Blockheizkraftwerk im Keller und Solarpanels auf dem Dach. Auch hier können Fitnessbegeisterte jeden Tag etwas für sich - und für die Umwelt tun. Am “Green Sunday” etwa öffnet das Gym seine Türen für seine Gäste, um kostenlos auf 200 Boost Bikes trainieren zu können. Dabei wird Strom aus Muskelkraft gewonnen, jeden Monat bis zu 400 Kilowattstunden - das entspricht 400 Stunden pausenlos Staubsaugen. 

 

© Gold’s Gym

Mit 150 Radergometern kann das Studo seinen eigenen Strom erzeugen

“Seit mehr als einem halben Jahrhundert gehen wir bei Gold’s Gym an unsere Grenzen, stemmen tonnenweise Eisen und umrunden auf Fahrrädern mehrmals den Planeten. Es wird Zeit, etwas von dieser unglaublichen Power zurückzugeben”, erklären die Macher in einem Video. “Und wer könnte besser gebrauchen als die gute alte Erde?” Genau deshalb hat man in Berlin darauf geachtet, das Gym möglichst umweltschonend zu bauen: Die Fliesen bestehen aus recycelten Plastikflaschen, Teile der Böden aus alten Autoreifen.

 

Es sind die kleinen Dinge, die große Veränderungen schaffen, wie auch andere Studios weltweit zeigen, etwa die unter Sustainable Fitness-Freuden über Großbritannien hinaus bekannte Fitnessstudio-Kette “Terra Hale“ - frei übersetzt: Die starke Erde. Und genau darum geht es: Mit kleinen Details und technischen Raffinessen ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass der eigene Körper und der Boden, auf denen man steht, für immer miteinander verbunden sind. Die Studios sind deshalb aus recycelten Materialien gebaut, Pflanzen schaffen ein harmonisches grünes Ambiente und filtern ganz nebenbei die Luft. 

© Edelkraft 

Klimaneutral dank fein abgestimmter Produktionsprozesse 

Doch auch für Sportbegeisterte, die gerne von zu Hause aus trainieren wie auch für Studios und Brands, die gerne den ersten Schritt in Richtung Nachhaltigkeit gehen möchten, bietet der Markt mittlerweile Alternativen, wie etwa das Berliner Label Edelkraft zeigt. Hier gibt’s allerlei Trainingsartikel für Zuhause - nachhaltig und fair produziert. Das verwendete Holz für Liegestützgriffe oder Bauchtrainer ist FSC- oder PEFC- zertifiziert - es stammt also aus Wäldern mit hohen Umweltschutzrichtlinien. Auch garantiert das Label, dass die Holzherstellung dank gut abgestimmter Produktionsprozesse klimaneutral stattfindet. Die etwa für Turnringe verwendeten Seile sind aus recycelten Plastikflaschen produziert, das Material lässt das Label dank einer großen Photovoltaikanlage komplett klimaneutral in den Niederlanden herstellen. Auch hier gilt: Dank extrem effizienter Technik und kurzen Lieferwegen lassen sich große Mengen an Energie und Ressourcen sparen im Vergleich zu herkömmlichen Produktionen. 

All das - und noch viel mehr hat der Sustainable Fitness-Markt zu bieten. Es zeigt sich: wer mit kreativen Ideen voran geht, hat die Zukunft vor sich.

 

Über die Serie FitTech Radar

Technologie greift vielarmig und zunehmend in die Welt von Fitness und Gesundheit ein. Welche Tech-Trends erwarten uns in den kommenden Monaten? In dieser monatlich erscheinenden Serie geben die Macher unseres Kooperationspartners FitTech Summits Ihnen Ihnen Einblicke in die kommende Welt von Fitness- und Gesundheitstechnologien.

Über den Autor Maximilian Gaub

Er ist Mitgründer und Chief Content Officer des FitTech Summit mit Sitz in München. Die Konferenz- und Netzwerkplattform beschäftigt sich mit Fitness-Technologien und der Zukunft von Wohlbefinden und aktivem Lebensstil. “Wir verbinden und unterstützten die Marktteilnehmer”, sagt er.

Die fünfte Ausgabe der Innovationskonferenz findet am 8. und 9. November digital unter dem Motto “Tech or Die!” statt. "Unsere These lautet: Die Fitness-Branche muss Technologie annehmen – oder wird aussterben", sagt Natalia Karbasova, CEO FitTech Company. Die Themen der Konferenz: Big Tech, Interfaces und KI. Alles Infos unter https://fittechsummit.com/