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26. Oktober 2021, von Starmühler

Warum Sport als mentaler Booster gilt

Neben Ausdauer und etwa der Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wirkt sich Sport auch positiv auf die Psyche aus. Doch wie genau kann körperliche Aktivität die mentale Gesundheit fördern?

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Wer Kalt, nass, dunkel: Wettertechnisch sind Herbst und Winter für das Gemüt oft eine mentale Herausforderung. Viele Menschen spüren zu dieser Zeit besonders, was es heißt, mit psychischen Problemen, Demotivation und Müdigkeit umgehen zu müssen. In solchen Phasen ist es umso wichtiger, geeignete Tools zur Hand zu haben, um gegenzusteuern und depressiven Verstimmungen vorzubeugen. Eine erforschte und erfolgreiche Maßnahme, die sich positiv auf die Psyche auswirken kann, ist Sport. Denn durch körperliche Betätigung werden Endorphine, also Glückshormone, freigesetzt, die das Wohlbefinden steigern und Stress abbauen.

 

Sport als Tool für mentale Gesundheit

Beim Training lernt der Körper mit dem ausgesetzten – positiven – Stress zurechtzukommen. Diese erarbeitete Resilienz kann er folgend auch in anderen Situationen anwenden. Laut einer norwegischen Langzeitstudie aus dem Jahr 2017, die die Auswirkungen von sportlicher Aktivität auf die Entwicklung von Depression bei unterschiedlichsten Menschen erforscht hat, vermindert regelmäßige sportliche Betätigung die Wahrscheinlichkeit, an Depression zu erkranken. „12 Prozent der künftigen Depressionsfälle hätten verhindert werden können, wenn sich alle Teilnehmer:innen mindestens eine Stunde pro Woche körperlich betätigt hätten“, so lautet die Conclusio dort. Eine andere Studie mit chronisch kranken Patient:innen aus dem Jahr 2009 berichtet ebenso von positiven Auswirkungen von Sport auf Angstzustände. Die besten Ergebnisse wurden hier erreicht, wenn das Trainingsprogramm mindestens 30 Minuten und über einen Zeitraum von drei bis zwölf Wochen erfolgte.

 

Was sich im Körper bewegt

Sport hat also eine unmittelbare Auswirkung auf unsere psychische Verfassung durch die neurobiologischen und neuro-endokrinologischen Veränderungen, die dabei in Gang gebracht werden. Prof. Dr. med. Johannes Scherr, Chefarzt Sportmedizin an der Universitätsklinik Balgrist, und Dr. med. Malte C. Claussen, Präsident der Schweizerische Gesellschaft für Sportpsychiatrie und -psychotherapie, schreiben in einem Beitrag zu Sport und mentaler Verfassung: „Ein moderates körperliches Training hat einen Einfluss auf die Sekretion von Glucocorticoiden wie das Cortisol, das zum Beispiel bei Stress und Depressionen erhöht ist. Dies wird in der Regel von vielen Menschen positiv erlebt und zum Stressabbau genutzt.“ Weiter heben sie hervor: „Zudem konnten die möglichen Auswirkungen der körperlichen Aktivität auf Neurotransmitter wie Serotonin oder Noradrenalin bereits als zusätzliche Erweiterung der Behandlungsmöglichkeiten bei depressiven Menschen genutzt werden. Sport- und Bewegungstherapie wird bereits jetzt schon […] als zusätzliche Behandlungsmethode geführt.“

 

Tools und Maßnahmen

Zusätzlich zur körperlichen Betätigung beeinflussen natürlich auch andere Faktoren das mentale Wohlbefinden. Nährstoffreiche Ernährung und regelmäßige Mahlzeiten, genug Sonnenlicht, soziale Kontakte, frische Luft und je nach Bedarf Nahrungsergänzungsmittel gehören etwa dazu. Oft hilft es beispielsweise auch, die Joggingrunde, die man im Sommer abends tätigt, im Winter auf die Mittagszeit zu verlegen, um so mehr Sonne und Licht abzubekommen. Wichtig ist auch zu wissen, dass man nicht alleine ist – Winterdepression trifft in Deutschland etwa jede vierte Person. Um gemeinsam dagegen vorzugehen, können Sportgruppen oder regelmäßige Sporttreffen eine Unterstützung sein.

 

Quellen:

Harvey, SB [u. a.]: Exercise and the Prevention of Depression: Results of the HUNT Cohort Study. Am J Psychiatry. 2018; 175: 28-36. URL: doi:10.1176/appi.ajp.2017.16111223

Herring [u. a.]: The Effect of Exercise Training on Anxiety Symptoms among Patients. A Systematic Review. Februar 2010. URL: https://jamanetwork.com/journals/jamainternalmedicine/fullarticle/774421

Claussen, Malte C. [u. a.]: Psyche und Sport in Zeiten von COVID-19. Zeitschrift Sportmedizin, Mai 2020. URL: https://www.zeitschrift-sportmedizin.de/psyche-und-sport-in-zeiten-von-covid-19/