• 7 – 10 April 2022
  • Messegelände Köln

21  Oktober 2021, von Maximilian Gaub

Fitnessspiegel: Ist das die nächste Generation der Smart-TVs?

Fitnessspiegel waren ursprünglich als Heimfitness-Devices gedacht – nun stellen Hersteller fest, dass das Gerät das Potenzial hat, die nächste Generation smarter Fernseher zu werden. 

© VAHA

Der Blick in den Spiegel hat ja immer ein kleines bisschen etwas Narzisstisches, das ist aber vielleicht auch gar nicht so schlimm, wenn es weniger um Schönheit, denn um Gesundheit geht. Frage also an den Weggefährten im Wohnzimmer: “Spieglein Spieglein an der Wand, wer ist die Fitteste im ganzen Land?” Nun ja, in Zukunft wohl deutlich mehr Menschen, denn Fitnessspiegel erobern im Moment den Markt, oder besser gesagt die Wohnungen der Menschen. Neben Mirror, dem bekanntesten Anbieter von Fitnessspiegeln auf dem US-amerikanischen Markt, wird in Großbritannien und Deutschland der Anbieter Vaha immer beliebter. Analysten erwarten, dass der weltweite Markt für intelligente Spiegel bis 2028 jährlich um zehn Prozent auf über sieben Milliarden Dollar wachsen wird.

 

Prinzip Fitnessspiegel: Gigantischer Touchscreen mit Motionsensor und Kamera

Die Idee ist simpel und gerade deshalb überzeugend: Wie wäre es, wenn ein Spiegel nicht nur an der Wand hängt, sondern mit Menschen kommuniziert und ihnen hilft, sich sportlich zu betätigen? Mirror wie Vaha bieten ihren Kunden Fitnessübungen an, Hanteltraining, Yoga, Aerobic, alles ist möglich. Ein Motionsensor überwacht die Bewegungen und korrigiert im Zweifel. Sogar eine Session mit einem echten Trainer ist möglich, Wlan, Kamera und Lautsprecher machen es möglich. Klingt gut, nur ging das bislang auch mit dem Tablet, wozu also einen Spiegel? “Die Erfahrung zeigt, dass Sachen, die auf Tablets noch nicht funktioniert haben, auf dem VAHA richtig geil werden”, sagt Vaha-Chefin Valerie Bures-Bönström dem FitTech Insider.

Valerie Bures-Bönström © VAHA

Vorteil Fitnessspiegel: Smarter als ein Smart TV?

Richtig geil also? Tatsächlich seien die individuellen Workouts mit Motion Tracking jene Angebote, die die Kunden am seltensten abbrechen, sagt Bures-Bönström. Und hier wird auch der Unterschied zum Smart-TV deutlich, der klingt zwar smart, aber “als Gesamtpaket, also bei der Interaktion mit Kamera, Mikrofon und Lautsprecher funktioniert er nicht”, sagt die Vaha-Chefin. Das mag auch daran liegen, dass der Spiegel nicht nur Sportgerät, sondern auch modernes Möbelstück sein soll, formschön und elegant schmückt er einen Raum - und wer ihn oft genug anschaltet, trainiert er eben auch den Körper.

 

Überhaupt, ist Fernsehen nicht total 2010? “Wir sehen ganz deutlich, dass es sehr viele Menschen gibt, die das große Modell mit guter Soundqualität und Display haben wollen”, sagt die Vaha-Chefin. Denn der Fitnessspiegel ist, ja, klar, auch ein Spiegel, aber eben vieles mehr: “Ein Freund benutzt den VAHA mit seinen Kindern als Jukebox. Und auf die Idee, den Spiegel als Bildschirmschoner zu nutzen, wären wir gar nicht gekommen”, sagt Bures-Bönström. “So ein knisterndes Lagerfeuer ist schon sehr entspannend.” 

 

Zukunft Fitnessspiegel: Zuhause und im Hotel

Werden Menschen in Zukunft also wieder mehr in den Spiegel schauen? Der Markt jedenfalls boomt, alleine Vaha plant bis Ende 2021, 10.000 Kunden zu begeistern, viele neue sollen in den nächsten Jahren dazu kommen. Weitere Anwendungen könnten folgend, von der Präsentation digitaler Kunst bis zum gezielten Online-Shopping von Kleidung ist vieles denkbar. Warum in ein Museum oder einen Klamottenladen gehen, wenn man beides zu Hause haben kann?

Die Zukunft ist aber auch klein, je nach Blickwinkel, denn Vaha und auch andere Hersteller bieten ganz bewusst auch eine XS-Version ihrer Spiegel an, um dem Bedarf von kosmopolitischen Singles in teuren, engen Großstadt-Apartments nachzukommen, die weder Platz noch Lust haben, den ganz großen Blick auf sich zu wagen. 

 

Dazu bietet Vaha eine App an, die es ermöglicht, sein Workout mit auf Reisen zu nehmen, zur Not dann eben auf dem Smartphone. Wobei, wenn es nach Valerie Bures-Bönström geht, ist das bald nicht mehr nötig: “Zuhause und in Hotels” stehen bald ihre Fitnessspiegel, ist sie sich sicher. Wie und wo auch immer, der Blick in den Spiegel ist nicht mehr wegzudenken für Menschen, die ein Fitnessstudio nicht mehr als Community-Erlebnis brauchen.

 

Über die Serie FitTech Radar

Technologie greift vielarmig und zunehmend in die Welt von Fitness und Gesundheit ein. Welche Tech-Trends erwarten uns in den kommenden Monaten? In dieser monatlich erscheinenden Serie geben die Macher unseres Kooperationspartners FitTech Summits Ihnen Ihnen Einblicke in die kommende Welt von Fitness- und Gesundheitstechnologien. 

 

Über den Autor Maximilian Gaub
Er ist Mitgründer und Chief Content Officer des FitTech Summit mit Sitz in München. Die Konferenz- und Netzwerkplattform beschäftigt sich mit Fitness-Technologien und der Zukunft von Wohlbefinden und aktivem Lebensstil. “Wir verbinden und unterstützten die Marktteilnehmer”, sagt er.

 

Die fünfte Ausgabe der Innovationskonferenz findet am 8. und 9. November digital unter dem Motto “Tech or Die!” statt. "Unsere These lautet: Die Fitness-Branche muss Technologie annehmen – oder wird aussterben", sagt Natalia Karbasova, CEO FitTech Company. Die Themen der Konferenz: Big Tech, Interfaces, KI – und die Zukunft. Die FIBO unterstützt den Event als Kooperationspartner. Alle Infos unter fittechsummit.com/registration