24. Januar 2022, von Herman Rutgers

Die Fitnessbranche in 2030: Werden wir die 100 Millionen Mitglieder schaffen?

Corona hat für einen Einbruch im Fitnessmarkt gesorgt. Doch zum Ende des Jahrzehnts könnten dennoch rund 100 Millionen Menschen in Europas Fitnessstudios trainieren. Zehn Gründe, warum wir es sehr wahrscheinlich schaffen werden. 

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100 Millionen Mitglieder bis 2030: Das hat EuropeActive vor einigen Jahren als Ziel für die europäische Fitnessbranche ausgegeben. Nach dem Corona-bedingten Einbruch im Jahr 2020 stellt sich natürlich die große Frage, ob das noch erreicht werden kann.      

 

Um die Zukunft vorhersagen zu können, müssen wir aus der Vergangenheit lernen. Werfen wir also einen Blick auf die Marktentwicklung im Zeitraum 2009 bis 2019, dem Jahrzehnt, für das uns gute Marktdaten vorliegen. Die Zahl der Mitglieder lag 2009 bei 39 Millionen und stieg bis 2019 auf 64,8 Millionen, was einem Wachstum von 66 Prozent oder durchschnittlich fast sieben Prozent pro Jahr entspricht. Betrachtet man den 5-Jahres-Zeitraum von 2014 bis 2019, so war das durchschnittliche jährliche Mitgliederwachstum mit 5,5 Prozent etwas geringer.

Wenn wir also einen dämpfenden Effekt auf den Fitnessmarkt aufgrund von Corona im Jahr 2020 in Höhe von -15 Prozent gegenüber 2019 einbeziehen und aber davon ausgehen, dass das gesamte Mitgliederwachstum im Jahr 2021 gegenüber 2020 fünf Prozent und zwischen 2022 und 2030 durchschnittlich 5,5 Prozent pro Jahr betragen wird, kommen wir auf 99 Millionen, oder ungefähr 100 Millionen Mitglieder, wie wir es vor Corona prognostiziert haben!   

Mit dieser Entwicklung wird Fitness immer mehr zum "Mainstream", zu einer Lifestyle-Gesundheits- und Wellness-Aktivität, und wird von den politischen Entscheidungsträgern in größerem Umfang als wesentliche Dienstleistung für die Gesellschaft als Ganzes angesehen.

 

 

Zehn Gründe, warum wir es schaffen könnten     

 

Hier sind zehn Gründe, warum das Ziel "100 Millionen Mitglieder bis 2030" immer noch ein realistisches Ziel ist (basierend auf den heutigen Informationen, ohne dramatische neue Pandemieentwicklungen in naher Zukunft und in den kommenden Jahren).

 

1. Der Anteil der Fitnessmitglieder an der Gesamtbevölkerung in der europäischen Region (EU plus Vereinigtes Königreich, Norwegen, Schweiz, Russland, Türkei und Ukraine oder insgesamt 796 Millionen im Jahr 2019) beträgt im Jahr 2020 nur 8,2 Prozent. 

Bei einem prognostizierten Wachstum auf 100 Millionen Mitglieder und einer prognostizierten Gesamtbevölkerung von 836 Millionen im Jahr 2030 entspricht dies einer Durchdringung von 12 Prozent; dies ist immer noch relativ niedrig im Vergleich zur Fitness-Durchdringung in den nordischen Ländern und den USA von rund 22 Prozent. Wir haben also noch viel Potenzial, das wir ausschöpfen können.

 

2. Länder mit einer größeren Bevölkerung (Frankreich, Spanien, Italien, Russland, Türkei), die eine relativ niedrige Marktdurchdringung aufweisen, werden einen Aufholprozess durchlaufen, so dass die Gesamtzahl sowohl der Mitglieder als auch der Fitnessstudios steigen wird.  

 

3. Die Positionierung von Fitness als Teil von "Gesundheit" wird zusätzliches Wachstum stimulieren ("Exercise is Medicine"; Covid 19-Effekt eines verbesserten Immunsystems durch Fitness). Es geht zum Beispiel um die verstärkte Zusammenarbeit mit Krankenkassen, Ärzten und der Regierung oder die Förderung und Subventionierung von Mitgliedschaften in Fitnessstudios als Teil des neuen Fokus auf Prävention. Fitness ist Teil der wachsenden Aufmerksamkeit für und der Investitionen in die Prävention!

 

4. Die durch die Corona-Pandemie beschleunigte Digitalisierung in unserer Branche sowie erhebliche Investitionen seitens der Big Tech Unternehmen (insbesondere Apple, Google, Amazon) in die Förderung der körperlichen und geistigen Fitness werden dem Markt einen zusätzlichen Schub in Richtung eines ganzheitlicheren Ansatzes geben und damit die potenziellen Zielgruppen erweitern.

 

5. Es wird erwartet, dass die Fitnessbranche weiterhin neue Konzepte und Programme entwickeln wird (möglicherweise in Partnerschaft mit den unter Punkt 3 und 4 genannten Akteuren), die neue und andere Zielgruppen ansprechen (z. B. Senioren).

 

6. Das steigende Durchschnittseinkommen der Mittelschicht in Verbindung mit günstigeren Angeboten der Branche und Zuschüssen von Versicherungen und Arbeitgebern wird Fitness für die breite Masse erschwinglicher machen.

 

7. Die zunehmende Anzahl von Standorten in ländlichen Gebieten und die Digitalisierung werden Fitness näher an den Wohnort oder den Arbeitsplatz eines jeden Menschen bringen.

 

8. Programme der Betrieblichen Gesundheitsförderung – teilweise über Vermittler/Plattformen – werden das Wachstum ankurbeln.

 

9. Ein verbesserter Kundenservice und eine bessere Kundenerfahrung werden sich positiv auf die Bindung bestehender Mitglieder und die Gewinnung neuer Mitglieder auswirken.

 

10. Verstärkte Investitionen in ein diverses und qualifiziertes Personal, basierend auf der europäischen Zertifizierung von Personal und Einrichtungen werden dabei helfen, den Service für die Kunden und die Akzeptanz unserer Branche bei den Behörden und der Ärzteschaft zu verbessern. Die Notwendigkeit dazu hat sich durch die Covid-19-Krise noch verstärkt.

 

Und vor allem werden die Tatkraft, die Kreativität, die Innovationen und der Unternehmergeist der Beteiligten ein entscheidender Faktor für den weiteren Erfolg unserer Branche sein!

 

Herman Rutgers, Januar 2022