• 7 – 10 April 2022
  • Messegelände Köln

22. November 2021, von Starmühler

Bodybuilding: So geht erfolgreiches Posing

Wer schon mal auf der Bodybuilding-Bühne gestanden hat, weiß, dass beim Posing bereits Kleinigkeiten einen großen Unterschied machen. Zudem müssen die Posen zu 100 Prozent sitzen, damit sie bei Aufregung und unter Performance-Druck gut funktionieren. Da heißt es vorher üben, üben, üben. Aber: Wie genau?

© FIBO

Die Natural Bodybuilding- und Posing-Profis Sophie Diemann und Alexander Krump sind seit Jahren erfolgreich auf internationalen Bühnen unterwegs. Im DasGym in Wien sowie online coachen sie andere Bodybuilder. Im Interview mit FIBO verraten die beiden, was erfolgreiches Posing ausmacht und wie man den Körper auf der Bühne bestmöglich zur Geltung bringt.

 

FIBO: Seit wann trainiert ihr für die Bodybuilding-Bühne?
Alexander Krump: Ich habe ungefähr im Jahr 2012 mit dem Training begonnen und 2013 meinen ersten Bodybuilding-Wettkampf live gesehen. Ab dem Zeitpunkt war klar, dass ich auch auf die Bühne möchte.

Sophie Diemann: Im Fitnessstudio angemeldet bin ich seit 2013 – explizit mit Wettkampfambitionen trainiere ich aber erst seit Ende 2018, quasi mit dem Start in meine erste Vorbereitung.

 

Wie habt ihr speziell mit dem Training für das Posing begonnen? Wo habt ihr euch Infos und Inspiration geholt?

Alex: Mein erster Coach war selbst aktiver Wettkampfbodybuilder, der viel Wert auf das Posing und die Präsentation auf der Bühne gelegt hat. Dadurch habe ich das von Anfang an mitbekommen. 

Sophie: Bei mir genauso: Mein Coach hat mir auch bereits beim ersten Treffen klar gemacht, wie wichtig das Posing ist. Ich habe dann bei ihm ein Seminar besucht, wo meine Liebe zum Posing geweckt wurde.

Alex: Inspiration holen wir uns von vor allem auf Instagram, von aktuellen Bodybuildern und von den Ikonen der 80er- und 90er-Jahre – kurzum: bei den Athleten mit der besten Bühnenpräsenz und dem besten Posing. Wir analysieren die einzelnen Posen und die Übergänge, damit wir unser eigenes Wissen erweitern und unseren Clients immer mehr bieten können.

Sophie: Offizielle Infos sind manchmal gar nicht so leicht zu bekommen – aber am besten natürlich auf den Webseiten der Verbände.

 

Wie geht man also als Newcomer das Thema Posing an?

Alex: Das Wichtigste ist, einfach mal zu beginnen. Perfektes Posing benötigt sehr viel Körpergefühl, welches nur durch Übung aufgebaut wird. Im Optimalfall holt man sich einen Posing-Coach zur Hilfe, damit von Anfang an die Posen korrekt gelernt werden und man die Basics vermittelt bekommt. Hier bieten sich 1:1-Sessions in persona oder online an. Alternativ gibt es mittlerweile auch gute Online-Materialien. Zum Beispiel arbeiten wir hier mit der Bildungsplattform „Lift the Standard“ zusammen, auf der man online Posing-Tutorials ansehen kann, in denen wir Schritt für Schritt die Posen der einzelnen Klassen erklären.

 

Wie viele Athleten nehmen euer Angebot als Posing-Coaches in Anspruch? 

Sophie: Die Nachfrage wächst erfreulicherweise immer stärker! Die meisten haben mittlerweile verstanden, wie wichtig die Präsentation für die Bühne ist. Kurz vor den Wettkämpfen ist die Nachfrage natürlich immer am höchsten. Einerseits senden hier viele Coaches ihre Athleten zu uns, um einen finalen Schliff für die Posen zu bekommen, andererseits gibt es auch immer ein paar Last-Minute-Kandidaten, die unsere Unterstützung für die Grundposen oder auch für ihre Kür in Anspruch nehmen.

 

Was macht die Faszination am Posing für euch persönlich aus?

Sophie: Posing ist zum großen Teil vor allem eins: das Erschaffen einer Illusion. Wie schaffe ich es, dass meine Taille möglichst schmal, mein Arm möglichst dick, mein Schultergürtel möglichst breit wirkt? Gutes Posing kann Schwächen verbergen und Stärken hervorheben.

Alex: Posing ist die größtmögliche Kontrolle und die Kunst, seinen Körper genauso zu präsentieren, wie man es sich in seinem Kopf ausmalt.

 

Gibt es Tipps und Tricks, die euch beim Posing geholfen haben?

Sophie: Was mir tatsächlich sehr geholfen hat: Posing bedeutet nicht, alle Muskeln so fest es nur geht anzuspannen, sondern die richtigen Muskeln im richtigen Maß anzuspannen.

Alex: Außerdem: Bei den meisten Posen gibt es kein klares richtig oder falsch. Es gibt – innerhalb des Regelwerks natürlich – viele Varianten und Abweichungen, von denen manche besser und andere schlechter zu mir und meinem Körper passen.

 

Hattet ihr an einer Stelle eurer Karriere einen Aha-Moment, was das Posing betrifft?

Alex: Die gibt es immer wieder. So wie sich der Körper im Laufe der Zeit verändert, so verändert sich auch das Posing. Durch ein besseres Körpergefühl, mehr Muskelmasse und Co werden Posen immer wieder angepasst, um die einzelnen Posen bestmöglich zu setzen.

Sophie: Mir wurde irgendwann plötzlich klar, dass Posing nicht nur ein Werkzeug ist, sondern essentieller Bestandteil des Sports. Am Wettkampftag gewinnt eben nicht, wer am härtesten trainiert oder wer am längsten diätet, sondern wer das Gesamtpaket am besten präsentiert.

 

Apropos Wettkampftag: Welche Tricks benutzt ihr, um eure Muskeln noch besser zur Geltung zu bringen?

Alex: Der Trick ist es, den Fokus etwas weniger auf einzelne Muskeln zu legen und mehr auf das Gesamtbild. Natürlich sollten alle Muskeln auf einer gewissen Spannung sein, um alle vorhandenen Details zu präsentieren. Aber es ist viel wichtiger, dass die gesamte Form und die Linie des Körpers nicht darunter leiden, dass man verkrampft versucht, eine Muskelgruppe besonders hervorzuheben. 

 

Wie entscheidet man sich bei der Kür für eine Choreografie bzw. für die richtigen Bewegungen? Was ist hier zu beachten?

Sophie: Wenn man die Chance hat, eine Posing-Routine zu zeigen, bedeutet das, man hat diese Minute auf der Bühne ganz für sich allein. Die individuelle Posing-Routine ist dafür da, sich so zu präsentieren, wie man möchte. Es gibt kein richtig und falsch. Diese Freiheit sollte ausgenutzt werden, um alle Posen zu präsentieren, die man selbst als besonders gut, stark und ästhetisch empfindet. Hat man dann eine Handvoll Posen für sich gefunden, kann man beginnen, Übergänge von einer in die nächste Pose zu finden und so Stück für Stück eine Choreographie auf ein selbst ausgesuchtes Lied zu bauen.

 

Welche Tipps könnt ihr Bodybuildern noch mitgeben, um sich beim Posing zu verbessern?

Alex: Früh beginnen und regelmäßig üben. Es wird immer wieder unterschätzt, wie viel Übung es benötigt, die einzelnen Posen zu meistern. Dazu sollten auch noch die Übergänge passen sowie die Posing-Ausdauer. Zehn Wochen vor dem Wettkampf mit dem Posing zu beginnen, ist in den meisten Fällen viel zu spät. 

Sophie: Um besser zu werden, muss man vor allem versuchen, Fehler zu sehen und sie dann ganz aktiv zu verbessern. Also: Sich selbst filmen und analysieren, verbessern, wieder selbst filmen und analysieren und so weiter und so fort. Jedes Mal ein Stückchen besser.

 

Auf Instagram sind Sophie Diemann und Alexander Krump auf folgenden Accounts aktiv und teilen ihr Wissen zu Training, Bodybuilding und Posing:

@quarterturn_posing

@sophie_diem

@coachalexanderkrump