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27. Oktober 2021, von Starmühler

Kälte is your friend - welche Vorteile Eisbaden für den Körper hat

Im See baden bei Minustemperaturen, so kalt wie möglich duschen, in eine Badewanne mit Eiswürfeln steigen: Klingt absurd? Ist es auch. Außer man weiß wie.

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Sie soll das Immunsystem stärken. Schmerzen lindern. Den Schlaf verbessern. Stress reduzieren. Den Blutdruck senken. Und und und. Die Rede ist von Kälte. Kälte?

Richtig. Den Körper regelmäßig Kälte auszusetzen, hat laut zahlreicher Studien sehr positive Effekte. Natürlich nur, wenn dabei ein paar Regeln beachtet werden.

 

The Iceman Wim Hof

Die Vorteile des Eis- oder Kältebadens, im Englischen cold exposure oder cold water immersion genannt, propagierte bereits der deutsche Priester Sebastian Kneipp im 19. Jahrhundert. Sein bis heute aktuelles Konzept: Durch einen Kältereiz mit Wassergüssen von Armen, Beinen oder Gesicht wird die Wärmeproduktion und die Durchblutung im Körper angeregt. Er erkannte, dass eine Anwendung über mehrere Wochen hinweg das Immunsystem nachhaltig stärkt.

Ein moderner Verfechter von Kältekuren ist etwa der Niederländer Wim Hof, auch bekannt als The Iceman. Inzwischen wissenschaftlich anerkannt und erforscht, ist er Begründer der Wim-Hof-Methode, einer Praxis aus Atemübungen, Meditation und Eisbaden, die es möglich macht, eine hohe Kältetoleranz zu entwickeln. Der Atem und die mentale Konzentration bereiten dabei das Gehirn und den Körper auf den Kältereiz vor, sodass diese im kalten Wasser nicht in Panik geraten.

 

Was passiert im Körper bei Kälte?

Den Körper ein bis 15 Minuten einem weniger als 15°C kalten Wasser auszusetzen, lässt das Blut stärker zirkulieren: Die Blutgefäße verengen sich zuerst, weiten sich dann, und es werden mehr weiße Blutkörperchen produziert. So werden alle Bereiche des Körpers schneller mit sauerstoffangereichertem Blut versorgt. Der Körper reagiert auf die niedrigen Temperaturen zudem damit, dass er Adrenalin, Endorphine und entzündungshemmende Kortikoide ausschüttet.

 

Welche Vorteile ergeben sich daraus?

Laut Wim Hof sorgt der Kälteschock bei regelmäßigem Training für zahlreiche positive Effekte: Neben einem höheren Energielevel, Stressreduktion, besserem Schlaf sowie schnellerer körperlicher Erholung nennt er folgende Auswirkungen:

  • natürliche entzündungshemmende Effekte
  • sportliche Leistungssteigerung
  • weniger Muskelkater
  • positive Auswirkungen auf Arthritis, Autoimmunerkrankungen, Migräne, Asthma und weitere Erkrankungen
  • Blutdrucksenkend
  • schnellerer Stoffwechsel
  • Energieboost
  • hilfreich bei der Vorsorge und Verbesserung der mentalen Gesundheit
  • höhere Kältetoleranz
  • kurbelt die Fettverbrennung an
  • konzentrationsfördernd

 

Tipps für das Kaltbaden

Also: Badehose an und einfach rein ins Eiswürfelbad? Lieber nicht so voreilig: Die Kältetherapie will gelernt sein, denn sonst kann sie auch einen negativen Schock für den Körper darstellen. Am besten ist es, sich von erfahrenen Kälte-Fans begleiten oder beraten zu lassen. Wim Hof bietet etwa (Online-)Kurse an, mit den Kneipp-Methoden sind die meisten Mediziner:innen vertraut. Weitere Tipps, um sich der Kälte Schritt für Schritt zu nähern:

· Mit Meditations- und Atemtechniken ist es möglich, aus dem Kopf raus und stärker in den Körper zu finden. Das ist notwendig, um beispielsweise nicht in Panik zu geraten, wenn die Kälte auf die Haut trifft. Nach der Wim-Hof-Methode atmet man dreißig bis vierzig Mal tief und ohne Pause ein und aus und hält danach die Luft eine Minute lang an. Das wird etwa 3 Mal wiederholt.

· Sich langsam zu steigern ist essenziell. Unter der Dusche das Wasser graduell kälter zu stellen etwa. Oder: Jeden Tag ein bisschen länger unter dem kalten Wasser aushalten. Auch eine Möglichkeit ist, nach dem Sommer nicht aufzuhören, zum Baden an den See zu fahren, sondern sich an das kälter werdende Wasser zu gewöhnen.

· Wer zu viel nachdenkt, kommt ins Zweifeln. Kältetraining ist wie Fitnesstraining: Es muss zur Routine und in den Alltag eingebaut werden. Dazu eignet sich etwa eine kurze kalte Dusche jeden Morgen. Wem das zu radikal ist: Kalte Gesichtsduschen sind ebenso sehr effektiv.

· Jeder Körper ist anders. Ob Kälte das Richtige für den eigenen Körper ist, ist auf jeden Fall vorher zu klären – zum Beispiel mit einem Gespräch in der Arztpraxis des Vertrauens.

· Es empfiehlt sich, nicht alleine im kalten Wasser baden zu gehen, sondern Begleitung dabei zu haben, falls die Kälte den Körper doch mal unerwartet intensiv trifft und Reaktionen wie Atembeschwerden auslöst. Gleichzeitig klappt der Gang ins kalte Wasser mit gegenseitiger Motivation gleich viel leichter.