• 7 – 10 April 2022
  • Messegelände Köln

11. Januar 2022, von Cornelia Tautenhahn

Mental und sozial: Das kann Sport bewirken

Unabhängig vom sozialen und körperlichen Status mehr Menschen in Bewegung bringen, dafür setzt sich der paralympische Athlet Jorge Pina ein. Wie der Sport seinen Weg bestimmt hat, und was Training bewirken kann. 

Leistungssportler, paralympischer Athlet, Vorbild: Jorge Pina steht dafür, was Sport bewirken kann – bei sich selbst und bei anderen. Mit seiner Stiftung setzt er sich für psychologisches und soziales Wohlbefinden durch Sport und Freizeitaktivitäten für junge Menschen ein.

Jorge Pina begeisterte sich bereits in jungen Jahren für Sport, nach Rugby, Judo und Fußball wurde das Boxen zu seiner Leidenschaft. Er wurde zum vielversprechenden Profiboxer, bis er bei einem Unfall 90 Prozent seiner Sehkraft verlor und seine Laufbahn beenden musste. Die Liebe zum Sport blieb, er widmete sich fortan der Leichtathletik und nahm an den Paralympischen Spielen 2008, 2012 und 2016 als Marathonläufer teil.

Wir haben mit ihm über die Bedeutung des Sports in seinem Leben, den mentalen Benefit von Bewegung, seine Arbeit in der Stiftung und Inklusion in der Fitnessbranche gesprochen.

 

FIBO: Was bedeutet Sport für Sie?

Jorge Pina: Sport ist für mich eine Lebenseinstellung. Es ist ein Weg, mich körperlich und mental wohl zu fühlen. Ein Weg, den Alltag zu überwinden und mich auf die Hürden, die das Leben mit sich bringt, vorzubereiten.

 

Hat sich die Rolle des Sports in Ihrem Leben im Laufe der Zeit verändert, insbesondere nach dem Verlust Ihres Augenlichts?

Pina: Ja, das hat sie. Der Sport hat mein Leben im Laufe der Zeit verändert. Der Verlust meines Augenlichts hat mich vor neue Herausforderungen gestellt, aber der Sport hat es mir ermöglicht, weiterhin für wichtige Werte wie Inklusion, Harmonie und Frieden zu kämpfen.

 

Heute engagieren Sie sich in Ihrer eigenen Stiftung für psychologisches und soziales Wohlbefinden durch Sport. Wo sehen Sie hier Ihre größten Herausforderungen?

Pina: Die größte Herausforderung besteht darin, physische, menschliche und finanzielle Bedingungen zu schaffen, die eine volle Entfaltung der sportlichen Aktivitäten jedes Einzelnen ermöglichen. Es ist wichtig, eine Struktur zu haben, die jeden in das Training einbezieht, unabhängig von seinem körperlichen, sozialen oder geistigen Status. Zum Beispiel braucht ein blinder Athlet, um Leichtathletik zu betreiben, einen Blindenführer, der ihn begleitet, und der ist nicht immer leicht zu finden.

Wir brauchen angepasstes Equipment und Personal, das auf die Bedürfnisse unserer Stiftung einzahlt, und es ist nicht immer einfach, genügend Unterstützung zu bekommen.

 

Wie kann die Fitnessbranche hier unterstützen?

Pina: Die Fitnessbranche kann mit Equipment und Spenden helfen. Wir erhalten Geld aus Projekten, für die wir uns bewerben (manchmal gewinnen wir, manchmal nicht), und wir haben auch Unterstützung vom Staat, aber sie können nicht auf alle unsere Bedürfnisse eingehen.

Bisher hat unsere Stiftung versucht, Aktivitäten anzubieten, die in der Regel kostenlos sind, weil wir mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, die meist aus benachteiligten Familien stammen. Aber im Moment haben wir eine Akademie mit festen Kosten, und die braucht Beständigkeit, um funktionieren zu können.

Wie wichtig ist die mentale Seite von Bewegung?

Pina: Die mentale Komponente ist bei körperlicher Aktivität sehr wichtig. Ich würde sogar sagen, sie ist der wichtigste Teil. Wenn wir Ergebnisse erzielen und gesund sein wollen, müssen unser Körper und unser Geist miteinander verbunden sein.

Unser Geist steuert unseren Körper. Wenn er aber krank ist, kann er den Körper nicht steuern, und die Person wird sich nicht gesund fühlen. Wenn unser Geist stark ist, überträgt er diese Energie auf den Körper, der darauf mit Kraft reagiert, um Hindernisse zu überwinden.

 

Wie kann Sport inklusiver werden?

Pina: Die Menschen müssen offener werden und bereit sein, anderen zu helfen. Die Menschen müssen in sich gehen und erkennen, dass es auch sie selbst glücklich machen wird, wenn sie anderen helfen. Viele denken oft nur an ihr eigenes Wohlbefinden oder ihr unmittelbares soziales Netzwerk, Familie und Freunde. Aber es ist wichtig, dass sie darüber hinausblicken und erkennen, dass nicht alle von uns die gleichen Möglichkeiten haben. Jeder von uns kann Chancen für diejenigen bieten, die es allein nicht schaffen.

Damit die Menschen offener werden, ist mehr Transparenz erforderlich. Es muss mehr Unterstützung geben und es müssen Strukturen geschaffen werden, um Sportler mit besonderen Bedürfnissen aufzunehmen.

Gehst du ins Fitnessstudio, um zu trainieren? Wo gibt es hier Verbesserungspotential für Inklusion?

Pina: Ja, ich kann in einem Fitnessstudio trainieren. Aber das ist tatsächlich nicht immer einfach. Zum einen müssen die Geräte an Personen mit ganz unterschiedlichen Einschränkungen angepasst werden, zum anderen werden Mitarbeiter benötigt, die Sportler mit Behinderungen bei ihrem Training unterstützen, damit diese auch Fortschritte erzielen können.  

Wenn also Unternehmen Fitnessgeräte entwickeln, sollten sie diese Athleten im Hinterkopf haben. Zudem ist es wichtig, dass die Mitarbeiter lernen mit Sportlern mit Behinderung umzugehen.

 

Was sind deine Pläne für die Zukunft?

Pina: Ich möchte dazu beitragen, dass sich die Zahl derjenigen, die sich aktiv bewegen erhöht, unabhängig von ihrem körperlichen, sozialen oder geistigen Status. Training muss für alle offen sein, ob jung oder alt, mit oder ohne Behinderung. Die Jorge-Pina-Akademie wurde entwickelt, um auf diese Bedürfnisse zu reagieren, und jetzt hoffen wir, die Erwartungen erfüllen zu können.

 

https://associacaojorgepina.pt/