• 7 – 10 April 2022
  • Messegelände Köln

6. September 2021, von Andreas Bechler

Existenzgründung in der Fitnessbranche: Franchise vs. Eigenbetrieb - Was macht Sinn?

Existenzgründungen sind in der Fitnessbranche weiter beliebt. Aber was ist der beste Weg zum eigenen Fitnessstudio? Soll ich mich einem Franchisesystem unterordnen oder lieber etwas Eigenes kreieren? 

Existenzgründungen und Selbstständigkeit sind in der Fitnessbranche beliebt. Bis zum Beginn der Corona-Pandemie kamen jährlich ca. drei bis vier Prozent neue Anlagen hinzu, welche primär durch die vergleichsweise kleinen Mikroanlagen gestützt waren. Auch wenn die Corona-Zeit diese Entwicklung erstmal ausgebremst hat, wird dies natürlich nicht so bleiben. Corona hat den Menschen die Bedeutung der eigenen Gesundheit vor Augen geführt und das eröffnet wiederum Raum für Menschen, die sich mit passenden Fitnessangeboten eine Existenz aufbauen wollen. 

Denkt man an die Gründung eines eigenen Unternehmens, dann verbindet man dies natürlich häufig mit einer eigenen Idee, für die man “Feuer und Flamme ist” und man umsetzen möchte. Gerade in der Fitnessbranche ist dies aber nicht der einzige Weg, den man nehmen kann. Speziell im Fitnessbereich sind die sogenannten Franchisesysteme sehr verbreitet und stellen für den gründungswilligen Branchenakteur eine weitere Option dar. 

 

Was ist Franchise? 

Bevor wir gleich uns die beiden Optionen einander gegenüberstellen wollen, lassen Sie uns erst mal klären, was Franchise eigentlich bedeutet. Die Macher der DSSV-Eckdatenstudie (Deloitte, DHfPG und DSSV) definieren es folgendermaßen. 

 

“Beim Franchising stellt ein Franchisegeber einem Franchisenehmer die (regionale) Nutzung eines Geschäftskonzeptes gegen Entgelt zur Verfügung. Der Franchisenehmer ist wirtschaftlich eigenständig.”

Ein Gründer kauft somit (gegen eine Gebühr) ein fertiges Geschäftskonzept ein und baut auf Basis dieser bereits ausgearbeiteten Geschäftsidee sein rechtlich selbstständiges Unternehmen auf.

Andreas M. Bechler ist Autor, Berater, Dozent und Podcaster in der Fitnessbranche. Daneben ist Andreas Sprecher des Arbeitskreise Fitnessbranche des VSD - Verband für Sportökonomie und Sportmanagement e.V. Sie können mit Andreas über LinkedIn in Kontakt treten: https://www.linkedin.com/in/andreasmbechler/

In der Regel wird er dabei in allen Schritten des Gründungsprozesses von dem Franchisegeber unterstützt. Die Unterstützung geht aber in der Regel auch im anschließenden geschäftlichen Alltag weiter, so dass der Gründer auf Unterstützung in Bereichen wie Buchhaltung, Marketing, Personal etc. zurückgreifen kann. Das hat natürlich seinen Preis, welcher in der Regel als monatliche (meist umsatzorientierte) Gebühr zu entrichten ist. Es kostet somit zusätzliches Geld, vereinfacht aber sehr vieles im Gründungsprozess und dem anschließenden Alltag. 

Die aktuelle Stellung von Franchise auf dem Fitnessmarkt

Aber wie stark sind diese Konzepte auf dem Fitnessmarkt bereits vertreten? Auch hier geben uns die DSSV-Eckdaten wieder einen guten Überblick. 

Es wird schnell deutlich, welche immense Bedeutung Franchisesysteme für unsere Branche haben. Natürlich sind die Einzelstudios trotz allem immer noch das Rückgrat unserer Branche, aber gerade die beiden Wachstumstreiber Kettenbetriebe und Mikrostudios werden stark durch Franchisesysteme mitbestimmt. Noch deutlicher wird es, wenn man sich die jeweils zehn größten Anbieter unter den Ketten- und Mikroanlagen anschaut. Unter den Ketten liegen die Franchisesysteme bereits bei ein einem Anteil von 59,9 Prozent, unter den Mikroanlagen sind es sogar sage und schreibe 95,7 Prozent (vg. DSSV-Eckdaten 2021). 

 

Die Gründe dafür liegen auf der Hand. Gerade Franchisesysteme bilden in der Regel im hohem Maße Nachwuchskräfte (insbesondere duale Studenten) aus. Diese lernen in der mehrjährigen Ausbildung das jeweilige System und seine Erfolgspotenziale in- und auswendig. Nicht selten geht das Ende der Ausbildung fließend in die eigene Selbstständigkeit mit dem zuvor erlebten System über. Man kann somit sagen, die Franchisesysteme “züchten” sich auf diese Weise quasi die nächsten Franchise-Nehmer heran. 

 

Vorteile Franchising 

Die große Nachfrage nach Franchisesystemen auf dem Fitnessmarkt hat natürlich seinen Grund in den zahlreichen Vorteilen, die die Nutzung eines Franchisesystems bieten können. Hier nur einige von vielen Gründen unserer Kollegen von fuer-gruender.de, welche die Nutzung eines Franchisesystems als Gründer für Sie interessant machen könnte: 

  • (In der Regel) erprobtes Geschäftsmodell
  • Vereinfachter Markteintritt
  • (Teilweise) bereits bekannte Marke und Marketing
  • Verringertes Gründungsrisiko
  • Know-how-Transfer zwischen Franchise-Nehmer und Geber
  • Netzwerk-Vorteile: Einkaufsvorteile, Erfahrungsaustausch im Netzwerk etc.

 

Zusammengefasst kann man den zentralen Vorteil so sehen, dass Ihnen als potenziellen Gründer zahlreiche Dinge abgenommen werden. Dies beinhaltet insbesondere die Aspekte, welche von Gründern häufig als lästig und störend empfunden werden. Zusätzlich bieten solche Konzepte Geschäftspartner, Investoren und Banken gewisse Sicherheiten, dass Sie bei Ihrer Gründung auch erfolgreich sind. Das bedeutet für Sie als Gründer wiederum gewisse Erleichterungen in der Kapitalbeschaffung.

 

Vorteile Eigenbetrieb

Franchising hat aber nicht nur Vorteile. Die Nachteile des Franchisings sind in diesem Fall gleichzeitig die Vorteile eines Eigenbetriebs.

  • Unternehmerische Freiheit
  • Umsetzung eigener Ideen
  • (Häufig) besser an den lokalen Markt anpassbar
  • Keine zusätzlichen Kosten (insb. einmalige und laufende Lizenzgebühren)
  • Keine Verantwortung für das Handeln der Netzwerkpartner

 

Es wird deutlich, als Inhaber eines Eigenbetriebs handeln Sie selbstständiger und sind in vielerlei Hinsicht nicht von den Handlungen anderer abhängig bzw. beeinflussbar. Sie können “Ihr eigenes Ding machen”, wie es so schön heißt und sind nur für sich selbst (eventuell noch Ihre eigenen Mitarbeiter) verantwortlich.

 

Einen weiteren Punkt, den jeder Gründer in seiner Entscheidungsfindung beachten sollte, ist auch die Frage der zukünftigen Ausrichtung. Nicht selten ist die Überlegung, dass man erst mal mit einem Franchisesystem startet und sich später davon loslöst. Das ist aber häufig gar nicht so einfach, wie man denkt, und kann durchaus auch rechtliche Probleme nach sich ziehen. Ein klassisches Beispiel ist hierbei, wenn Sie auf Ihren sozialen Kanälen nach dem Ende des Franchisevertrages noch Bilder aus dem Franchise-Netzwerk veröffentlicht haben (selbst wenn diese aus der Zeit des Vertrags sind). Es sind durchaus Fälle von Abmahnung ehemaliger Partner bekannt, was natürlich nicht heißen soll, dass Franchisesysteme grundsätzlich so vorgehen würden. Stellen Sie sich also den Austritt aus einem Franchisesystem nicht zu einfach vor. Es wird Sie einiges an Zeit und Geld kosten. 

 

Tipps zur Entscheidungsfindung 

Sie werden sich jetzt vielleicht fragen, was denn nun für Ihr ganz persönliches Gründungsvorhaben Sinn macht. Die Antwort ist, wie so oft im Leben, leider nicht so leicht und schon gar nicht allgemeingültig zu fällen. Es gilt immer das persönliche Vorhaben und auch die Persönlichkeit des Gründers / der Gründerin (oder der Gründer) zu betrachten, um die optimale Lösung zu finden. Die folgenden Tipps sollen Sie bei Ihrer Entscheidungsfindung unterstützen. 

 

Tipp 1: Ziehen Sie Ihre lokale Marktsituation in Ihre Überlegungen mit ein

 

Das wichtigste Kriterium in der Entscheidungsfindung sollte immer die lokale Marktsituation vor Ort sein. Märkte, die es für bestimmte Konzepte noch zu erschließen sind, sind in der Regel deutlich besser mit Franchisesystemen händelbar als solche, die bereits tief durch ein verschiedenste Angebote durchdrungen wurde. Im zweiten Fall ist eher die individuelle Anpassung eines Konzeptes an den lokalen Markt von Nöten, um noch erfolgreich sein zu können, was Franchisesysteme häufig nicht ermöglichen. 

 

→ Wie stark ist Ihr lokaler Markt bereits durch ähnliche Konzepte durchdrungen? 

 

Tipp 2: Schauen Sie sich immer mehrere Optionen an

 

Egal ob Sie sich bereits für ein Franchisesystem entschieden haben oder eigentlich Ihr eigenes Projekt planen wollen, versteifen Sie sich in Ihrer Recherche nicht zu sehr auf eine einzige Option. Es ist sinnvoll und lohnenswert immer mehrere Systeme sich genauer anzuschauen sowie zu vergleichen, um die Vor- und Nachteile einzelner Systeme wie auch Ihrer eigenen Gründungsidee erkennen zu können. 

 

→ Welche drei bis vier Franchisesysteme sind eine Option für Sie? Wie sähe demgegenüber Ihr persönliches Konzept aus?

 

Tipp 3: Sprechen Sie mit Kollegen, Franchisenehmern, Eigengründern, Franchisegebern etc.

 

Von Erfahrungen anderer zu profitieren, ist gerade im Gründungsprozess äußerst wichtig. Führen Sie also so viele Gespräche wie möglich, um sich verschiedene Sichtweisen anzuhören. Schließen Sie möglichst Gründer aus beiden Varianten (Eigen und Franchise) mit ein und befragen Sie diese nach ihren persönlichen Erfahrungen. Sprechen Sie mit verschiedenen Franchisegebern und fragen Sie diese bzgl. ihres Systems aus. Führen Sie immer lieber ein Gespräch zu viel als eines zu wenig. 

 

→ Welche Personen haben Sie in Ihrem Netzwerk, die Sie zur Gründung und den verschiedenen Optionen befragen könnten? 

 

Tipp 4: Überlegen Sie sich, wie weit sie akzeptieren möchten, unternehmerische Freiheiten einzubüßen

 

Sobald Sie alle Informationen gesammelt haben und mit verschiedensten Menschen gesprochen haben, bleibt eigentlich nur noch die entscheidende Frage übrig, für was Sie sich entscheiden. Überdenken Sie diese Entscheidung genau, sie wird Ihr eigenes wirtschaftliches Handeln über die nächsten Jahre (vielleicht sogar länger) bestimmen. Gehen Sie nicht leichtfertig mit eventuell aufkommenden Bedenken um.

 

→ Wie stark sind Sie bereit, sich einem bestehenden System unterzuordnen bzw. wie sehr möchten Sie Ihre eigenen Ideen verwirklichen? 

 

Befolgen Sie diese grundlegenden Tipps, dann sind Sie schon mal auf einem guten Weg, Ihr eigenes Gründungsprojekt erfolgreich umzusetzen. Geben Sie sich dabei aber auch die nötige Zeit, alle relevanten Punkte ausreichend zu durchdenken. “Rom wurde nicht an einem Tag erbaut” und das gilt für Ihr eigenes Gründungsvorhaben genauso. 

 

Fazit

Ein eigenes Unternehmen gründen ist nicht unbedingt leicht. Franchisesysteme können hier gründungswillige Personen unterstützen, ermöglichen aber gleichzeitig nicht die eigene Entfaltung im selben Maße, wie es ein Eigenbetrieb mit der Umsetzung der eigenen individuellen Idee möglich macht. Beide Optionen haben ihre Vor- und Nachteile, zwischen denen ein Gründer sorgfältig abwägen muss. Schlussendlich können beide Wege zum eigenen Erfolg in der Fitnessbranche führen. Ein Erfolgsgarant ist aber kein Weg. So oder so kommt es am Ende immer auf Sie als Gründer an! 

 

 

Über Hashtag Fitnessindustrie

Hashtag Fitnessindustrie ist der Podcast über die deutsche Fitnessbranche mit all ihren Facetten und Akteuren. Er soll einen Wissenstransfer zwischen den Interviewgästen und dem Zuhörer zum Nutzen der ganzen Branche zu ermöglichen.

Aktuelle Trends und Entwicklungen sind ebenso Teil des Podcasts wie grundsätzliche strategische Fragen aus dem Tagesgeschäft von Fitnessanbietern.

Weitere Informationen: https://hashtag-fitnessindustrie.de