21. Juli 2021, von Cornelia Tautenhahn

Die Self-Care-Renaissance, Diversity und finanzielle Wellness: Die globalen Wellnesstrends 2021 - Part 2

Gesundheit und Wellness nähern sich an, Diversity steht auf der Agenda, finanzielles Wohlbefinden rückt in den Fokus und Reisen wird achtsamer: Das sind die GWI Wellnesstrends 2021. 

Fitness in Business-Events integrieren gehört zu den Trends © Shutterstock

Die auf rund 4,5 Billionen Dollar geschätzte Wellnessindustrie beinhaltet unzählige Spielarten und Trends. Die Studie des „Global Wellness Summit“ zu den Trends 2021 zeigt einige durch die Corona-Pandemie verursachte Paradigmenwechsel. Im ersten Teil dieser Artikelserie standen Trends wie die der Einstieg der Big Player der Unterhaltungsindustrie in den Markt, personalisierte Ernährung und der Einfluss der Architektur im Fokus. (https://www.fibo.com/de-de/medien/News/Artikel117.html)  

 

Trend 5: Die Self-Care-Renaissance. Wenn Wellness und Gesundheit zusammenwachsen

Die Pandemie hat das Thema Gesundheit auf die Agenda von Regierungen, Unternehmen und Einzelpersonen gleichermaßen gesetzt.

„Wenn man drei bis fünf Jahre in die Zukunft blickt, ist es unvermeidlich, dass es einen viel nahtloseren Austausch zwischen dem Gesundheits- und Wellnessbereich geben wird, auf Basis des gegenseitigen Respekts und einer größeren Akzeptanz, statt Voreingenommenheit."

Dr. Kenneth R. Pelletier, Professor für Medizin und Buchautor

In dieser neuen Ära werden das Gesundheitswesen und die Wellnessbranche lernen, miteinander auszukommen. Dann werden sich etwa Krankenhäuser von Fünf-Sterne-Resorts inspirieren lassen und Rezepte mit hyper-personalisierten Anleitungen zur optimalen Gesundheitsförderung verteilt werden. 

Wie Gesundheit und Wellness voneinander lernen können

Laborkittel und sterile Wartezimmer auf der einen und spirituelle Heiler und therapeutische Rückzugsorte auf der anderen Seite: Beim Gesundheitswesen und der Wellnessindustrie prallen manchmal Welten aufeinander.

Doch in Corona-Zeiten ist Gesundheit plötzlich etwas, für das man sich begeistern kann. Die Pandemie mit ihren Toten hat bewiesen, dass Wissenschaft, Medizin und Doktoranden unverzichtbar sind und Yoga und ätherische Öle Covid-19 nicht heilen werden. Auf der anderen Seite wird aber denjenigen, die sich ausschließlich auf das Gesundheitswesen verlassen haben klar, dass sie sich mit Prävention befassen müssen. 

Wellness lernt, sich auf die Wissenschaft zu stützen und Standards zu etablieren. Zur gleichen Zeit lernt das Gesundheitswesen mit weniger sterilen Umgebungen und dem Blick auf Ganzheitlichkeit von der Wellnessbranche. 

Wohlfühlfaktor in der klassischen Medizin  © Shutterstock

Wissenschaftliche Grundlagen gibt es schon jetzt 

Was die breite Masse nicht weiß: Viele Wellness-Praktiken sind bereits wissenschaftlich geprüft. So finden sich zum Beispiel auf dem „Wellness Evidence Portal“ des Global Wellness Institute überzeugende Forschungsergebnisse, die 31 der beliebtesten Therapien unterstützen - von Ayurveda bis Optimismus. Aber das ist noch zu wenig in der Öffentlichkeit. Hier wird dann lieber über Schlagzeilen wie „This Smells Like My Vagina-Kerzen“ und kristallverkrustete Dinge gesprochen, die dem Image der Wellnessbranche nicht gerecht werden. 

 

Wohlbefinden und Gesundheit auf der politischen Agenda 

Die Regierungen haben die Gesundheit ihrer Bevölkerung im Blick und einige setzen dabei auch auf Wellness im großen Stil. Das gibt dem Wellness-Bereich nicht nur einen finanziellen Schub, sondern fördert auch eine weltweite Kultur der Selbstfürsorge. Ein Beispiel: Die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern hat 2019 das allererste "Wohlfühlbudget" eingeführt - und damit eine noch nie dagewesene Betonung des Wohlbefindens der Bürger gegenüber dem kapitalistischen Gewinn.

In Singapur hat sich die Regierung mit dem weltgrößten Tech-Giganten zusammengetan, um eine gesündere Gesellschaft zu schaffen. Über die „LumiHealth App“ und die Apple Watch können die Einwohner an landesweiten Wellness-Challenges teilnehmen und bis 2022 auf personalisierte Gesundheitsprogramme zugreifen, inklusive Achtsamkeits- und Ernährungstipps sowie monetärer Anreize. 

 

CBD findet den Weg in die Medizin 

Im Bereich der psychischen Gesundheit finden alternative, Wellness-orientierte Ansätze ihren Weg in die Schulmedizin. Vor einigen Jahren hätten wir es nicht für möglich gehalten, dass unsere Oma vielleicht mit CBD-Produkten besser schlafen kann. Doch zwischen 2015 und 2018 hat sich die Zahl der amerikanischen Senioren über 65 Jahren, die Marihuana rauchen oder als Lebensmittel zu sich nehmen, verdoppelt. Und der Trend wird sich weltweit fortsetzen. Erst kürzlich hat die UN beschlossen, medizinisches Marihuana nicht mehr in die Kategorie der gefährlichsten Drogen der Welt einzuordnen. 

 

Mehr „Wohlfühl-Faktor“ bei Arztbesuchen 

Die Unzulänglichkeiten des Gesundheitswesens sind schon lange bekannt: Bürokratie, teure Zuzahlungen, lange Wartezeiten und Krankenhäuser, die Sie kränker machen, stehen ganz oben auf der Liste.

 

Ein Beispiel: Die Zahngesundheit leidet überall auf der Welt, selbst in führenden Volkswirtschaften wie den USA, Großbritannien und Deutschland. Einer der Gründe: Viele Menschen haben schlichtweg Angst vor dem Zahnarztbesuch. Hier kann Wellness helfen. Die New Yorker Start-ups „Tend“ und „Dntl Bar11“ sind zwei Akteure, die den Zahnarztbesuch zu einem Selfcare-Erlebnis machen. Da gibt es dann zum Beispiel Beats-Kopfhörer, die das Geräusch von Plaque-Kratzern eindämmen, Massagesessel in der Lobby und natürlich die Lieblings-Netflix-Show an der Decke. 

 

So könnte die Zukunft aussehen 

Für das Zusammenwachsen von Gesundheit und Wellness ist das „Octave's Sangha Retreat“ in Suzhou, China ein hervorragendes Beispiel. Hier treffen alte Heilmethoden und die moderne Medizin im Namen der menschlichen Optimierung aufeinander. Auf dem Grundstück gibt es einen Korridor, der von einer Seite zur anderen führt. Das eine Ende beherbergt die konventionelle Medizin, und das andere Ende beherbergt Wellness-Praktiken, die von Akupunktur bis hin zu "ausgefalleneren" Geräten, die die das Alter der Seele messen. Die Besucher können frei zwischen den beiden Seiten wechseln, je nach ihren Bedürfnissen.

Indem wir für unsere mentale und körperliche Gesundheit sorgen, können wir unsere Abhängigkeit vom Gesundheitswesen verringern. Und obwohl es letztendlich an uns liegt, spielen Gesundheitswesen und Wellness eine wichtige Rolle dabei, wenn es darum geht, diese richtige Entscheidung zu treffen. 

Wellness muss alle ansprechen @Shutterstock

Trend 6: Mehr Diversity in der Wellnessbranche

Unter anderem die „Black Lives Matter“ Bewegung veranlasste viele große Unternehmen der Wellnessindustrie sich für Antirassismus einzusetzen. Zum Beispiel Lululemon, Nike und Goop gaben schnell Solidaritätserklärungen heraus, in denen sie ihr ihr Engagement für Vielfalt und Inklusion betonten. Websites wie Self, Well+Good oder Shape präsentierten schwarze Wellness-Profis und Unternehmer. Einige wurden aber auch kritisiert und sahen sich dem Vorwurf reiner PR ausgesetzt, ohne sich wirklich für Antidiskriminierung einzusetzen

 

Reine Bekundungen reichen nicht 

Solidaritätsbekundungen mögen edel erscheinen, werden aber sie werden keinen nachhaltigen Wandel bewirken. Denn es gibt zu oft noch ein falsches Narrativ in der Wellnessbranche, was bedeutet, dass die Produkte und Dienstleistungen auf die Bedürfnisse wohlhabender weißer Menschen zugeschnitten sind.

„Einmal hatte ich eine isolierte Woche in einem High-End-Wellness-Resort, wo ich die einzige schwarze Person auf dem Gelände war (neben dem Reinigungspersonal). Das Personal erklärte mir, dass, wenn ich einen Monat früher gekommen wäre, hätte ich einen Schwarzen prominenten Gast im Resort gesehen. Ich fühlte mich auf diese Weise nicht willkommen und meine Wellness nicht geschätzt. (…) Für mich scheinen Wellness Räume, Spas, Studios und Resorts für weiße Menschen konzipiert zu sein. Wenn ich diese Orte besuche, fühle ich mich oft gestresst und genervt, statt verjüngt und entspannt. “

Tonia Callender, wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Global Wellness Institute

 

Ungleichheit ist nach wie vor vorherrschend

In den USA behindern ungleicher Wohlstand und die anhaltenden Auswirkungen von Wohnsegregation, rassistische Vorurteile und Diskriminierung das Wohlbefinden der Schwarzen. Beispielsweise haben einer Studie der „National Academy of Medicine“ zufolge, schwarze Menschen eine schlechtere Gesundheitsversorgung als Weiße. Da zudem das Armutslevel höher ist, sind sie oft sowieso von teuren Wellness-Angeboten abgeschnitten. 

 

Fehlender Zugang zu Sportarten

Stereotypen und falsche Vorstellungen führen nach wie vor dazu, dass schwarze Menschen in einer Vielzahl von sportlichen Aktivitäten unterrepräsentiert sind. Während zum Beispiel Kampfsportarten offen gegenüber allen Interessierten sind, halten andere Bereiche wie Ballett, Lacrosse und Schwimmen das falsche Narrativ aufrecht, dass diese Aktivitäten hauptsächlich für weiße Jugendliche sind.

 

Die Wellnessbranche steht an einem Scheideweg 

Wellness-Konsumenten sind vielfältiger, und schwarze Unternehmer und Wellness-Profis werden weiterhin Farbe in die Wellnessbranche bringen. 

 

Da die Bedeutung von Vielfalt und Inklusion wächst, werden Unternehmen, die Wellness für alle Rassen und Einkommensgruppen anbieten, florieren. Sie werden nicht nur das weiße Wellness-Narrativ verändern, sondern bald auch dessen Vorreiter sein. Mehr Menschen wollen Vielfalt und Inklusion, und die Akzeptanz von Black Wellness wird den Verbrauchermarkt erweitern und die Rentabilität von Unternehmen steigern. Dies erfordert eine tiefere Reflexion als Unterstützungserklärungen, Links auf einer Website, diverse Marketingmaterialien und Platzierungen am Schwarzen Brett. 

Trend 7: Events mit Wellness-Angeboten beleben

Events waren während Covid-19 lange nicht möglich, aber mit ihrer Rückkehr hält auch ein neuer Trend Einzug, der Meetings und Events für immer verändern wird: Die Art und Weise, wie wir uns versammeln. Die Menschen suchen nach neuen Wegen ihre Gesundheit zu fördern. Events können ihnen den Raum dafür geben. 

 

Technologielösungen reichen nicht aus 

2021 startet die Ära der hybriden Veranstaltungen. Der virtuelle Aspekt wird weiter verfeinert werden, hier entstehen viele neue Ideen und Akteure. Aber die Technologie wird nicht ausreichen, wenn es um menschliche Verbindungen geht. Zudem hat die Covid-19-Krise eine parallele Pandemie der Einsamkeit hervorgerufen (GWI Whitepaper "Resetting the World with Wellness: Human Connection in a Time of Physical Distancing Distanzierung"). 

Aktivitäten gezielt in den Business-Alltag einbauen © Shutterstock

Innovationen im „persönlichen“ Teil der Events 

Das Sicherheitsbedürfnis auf der einen Seite, und auf der anderen das Verlangen nach Verbindungen mit anderen Menschen, lässt die Veranstalter nach neuen, innovativen Lösungen suchen. Hier gibt es eine große Chance, mehr Wellness-Komponenten einzubauen. Wie wir uns versammeln, bekommt eine neue Bedeutung.

 

Cardio statt Sitzen

Der Global Wellness Summit 2020 fand als ein solches hybrides Event statt. Neben einem umfassenden Sicherheitsprotokoll integrierte das Event Wellness auf unterschiedliche Art und Weise. Der zentrale Konferenzraum wurde mit Fahrrädern, Sitzbällen und Wellness-Zonen ausgestattet. So konnten sich die Teilnehmer während der Konferenz sportlich betätigen. Hier arbeitet der GWS mit der Fitnesskette Planet Fitness zusammen. Auch gesunde Mahlzeiten und Snacks spielten eine wichtige Rolle. 

 

Der relativ neue Begriff „Nudge Wellness“ beinhaltet die Inspiration zu gesundem Verhalten, indem Wellness-Entscheidungen leicht zugänglich und deutlich sichtbar gemacht werden. So wurde die Mehrheit der Teilnehmer inspiriert sich eben nicht einfach hinzusetzen. 

 

Verbindung von Technologie und Wellness

Die Zukunft der Eventbranche ist mit Technologie gepflastert, aber der wirkungsvollste Weg wird auch mit Wellness und der Erkenntnis gepaart sein, dass eine der wichtigsten Säulen des Wohlbefindens die soziale Interaktion ist. Nichts wird jemals das persönliche Zusammensein ersetzen können. Veranstalter haben nun die Aufgabe Wellness-Elemente innovativ in ihre Konzepte mit einfließen zu lassen. 

Idealerweise spricht man über Geld © Shutterstock

Trend 8: Finanzielle Wellness – Lasst uns über Geld sprechen

Finanzen, Gehälter und Co. hat man lange Zeit lieber nicht öffentlich diskutiert. Im Gegenteil: Das Schweigen über Geld ist in vielen Kulturen tief verwurzelt. Hochverdiener dazu neigen, ihr Einkommen aus Schuldgefühlen heraus zu verschweigen. Und von Südamerika bis Südostasien wird Kindern von klein auf beigebracht, dass es ein großes Tabu ist, über Geld zu sprechen. 

 

Finanz-Influencer erobern Social Media 

Heute gibt es Schritt für Schritt mehr Transparenz. So zeigen zum Beispiel die über drei Milliarden Aufrufe von #personalfinance-Inhalten auf TikTok, dass Finanz-Influencer offiziell ein Ding sind. Der „Money Talk“ geht aus der reinen Banken- und Finanzwelt raus, rein in die Gesellschaft. Man spricht darüber, welche Rolle Geld im Leben spielt. 

 

Die wachsende Offenheit geht einher mit dem Bewusstsein, dass es einen Zusammenhang zwischen Geld und der psychischen Gesundheit gibt. Das finanzielle Wohlbefinden rückt in den Fokus. 

Schweigen macht krank 

Das Schweigen um das Geld macht uns nicht gesund. Tatsächlich macht es uns krank. Ein Bericht von „Thriving Wallet“ zeigt, dass finanzieller Stress die körperliche Gesundheit, den Blutdruck, Atemwegssymptome, somatische Probleme und Verspannungen beeinflusst. Ein anderer Bericht des britischen „Money and Mental Health Institute“ fand heraus, dass Menschen mit Angstzuständen und Depressionen dreimal so häufig verschuldet sind. Aber auch schuldenfrei zu sein, bedeutet nicht automatisch, dass man sich keine Sorgen ums Geld macht. Die „Bank of America Corp.“ befragte Menschen mit ausreichenden Mitteln und auch hier zeigte sich, dass sich Gedanken über Geld bei 59 Prozent der Befragten negativ auf die mentale Gesundheit auswirken. 

 

Unsere Beziehung zum Geld 

Hier kommt die finanzielle Wellness ins Spiel. Sie erforscht die Beziehung zwischen dem Einzelnen und dem Geld und deckt die tieferen Probleme auf, die sich negativ auf diese Beziehung auswirken können. HSBC zum Beispiel, eines der größten Bank- und Finanzdienstleistungsinstitute der Welt, hat zu Beginn der Pandemie sein Angebot an Financial Wellness erweitert. PwC verweist auf Financial Wellness als Lösung zur Steigerung der Mitarbeiterproduktivität bei gleichzeitiger Senkung der medizinischen Kosten. Und Fintech-Start-ups wie „Happy Money“, das „glückliche“ und „traurige“ Ausgabenmuster auswertet, setzen auf Financial Wellness als Weg in die Zukunft.

 

„Money-Fit“ als Mission 

Neue Akteure betrachten Stress rund ums Geld nicht mehr als Finanzproblem, sondern als ein Gesundheitsproblem. „ZavFit“ steht für diesen Paradigmenwechsel. Das europäische HealthTech-Start-up hat das erste Gesundheits-Tool für Geld. Dabei geht es nicht darum, wie viel Geld man hat, sondern wie man das Geld nutzt. 

 

Das Ende des Schweigens

Die wachsende finanzielle Wellness-Bewegung holt das Thema Geld aus dem Schatten. Ein Beispiel: Online Plattformen wie „Money Diaries“, die Euro für Euro tracken, für welche Dinge echte Personen wieviel ausgeben. Oder der Hashtag #debtfreecommunity, unter welchem Millionen von Ratschlägen zur Überwindung von Schulden zu finden sind. 

 

Die Stunde der Finanztherapeuten

Wenn man über Geld spricht, spricht man über so viel mehr - die Vergangenheit, die Zukunft, Druck, Scham, Trauma, Status. Finanztherapeuten helfen Menschen diese unterbewussten Hürden zu nehmen, damit sie damit sie besser ausgeben, sparen und investieren können. Die „Financial Therapy Association“ hat mittlerweile über 300 internationale Mitglieder, Tendenz steigend

 

Finanzielle Inklusion 

Wir alle haben täglich mit Geld zu tun, doch unsere Erfahrungen damit unterscheiden sich stark, je nach Rasse, sozioökonomischer Status, Alter, persönliche Werten und sogar der sexuellen Orientierung. Im Februar 2020 brachte der gebürtige Schwede Magnus Larsson „Majority“ auf den Markt, ein Bankdienst, der Zuwanderern die nötigen Werkzeuge für finanziellen Erfolg an die Hand gibt. Im September kamen über 50.000 Menschen auf der Warteliste für Jefa, eine digitale Bank, die speziell für Frauen in Lateinamerika entwickelt wurde. Im November 2020 wurde mit „Daylight“ die erste LGBTQ+ Digitalbank in den USA gegründet, und so weiter. Neue Akteure bauen eine Zukunft auf, in welcher der Zugang zu Finanzen ein grundlegendes Menschenrecht ist.

Trend 9: Langsamer und achtsamer Reisen

Die Corona-Pandemie hatte den Reiseverkehr zeitweise fast vollständig zum Erliegen gebracht. Aber die Pause gab Verbrauchern wie Anbietern die Gelegenheit, über einen Neustart des Reisens nachzudenken. Es geht um Themen wie den Übertourismus und wie Gemeinschaften, Kulturen und Orte vom Tourismus profitieren können. Und auch aufgrund der Zunahme des persönlichen Stresslevels vieler Menschen während der Pandemie, wird 2021 das Jahr des „Reise-Resets“ sein, in dem langsamer, näher und achtsamer zugeht.

 

Einen Ort in einem besseren Zustand wieder verlassen 

Reisende achten zunehmend auf die Nachhaltigkeit der Reiseunternehmen und Hotels. Eine Antwort darauf gibt zum Beispiel „Regenerative Travel“, ein globaler Zusammenschluss von mehr als 40 Resorts in 24 Ländern, die sich „positive soziale und ökologische Auswirkungen“ auf die Fahne geschrieben haben. Zu den Schlüsselfaktoren des eingeführten Benchmarking-Systems für Hotels gehören zum Beispiel Umwelt- und Sozialinitiativen, Aktivitäten, die das das Reiseziel aus der Perspektive der Einheimischen erschließen, und ein Design, das zur Umgebung passt. 

Reisen wird achtsamer und aktiver © Shutterstock

Zu viele und zu wenige Touristen

Venedig ist das beste Beispiel für die Probleme, die der Massentourismus verursachen kann. Nachdem sich Pandemie-bedingt die Lagune erholte, rückt das Thema auch in Zukunft auf die Agenda. Insbesondere die Kreuzfahrt steht im Fokus, auch in Orten wie Barcelona oder Dubrovnik. Aber auch der „Untertourismus“ kann große soziale und ökologische Auswirkungen mit sich bringen, wenn den Regionen plötzlich die Einnahmen fehlen. 

 

Anders Reisen als vor Corona 

Während der Pandemie flüchteten sich viele Reisende an eher abgelegene Orte. Diese Verschiebung wird sich höchstwahrscheinlich fortsetzen. Internationale Reisen werden wahrscheinlich von vielen Menschen auf später verschoben, viele bleiben lieber in der Nähe ihrer Heimat. Diejenigen, die reisen, bleiben länger an einem Ort und es gibt den Trend das Hotel selbst zum Reiseziel zu machen und dementsprechend nicht oder nur wenig zu verlassen. Die Hotelbranche reagiert mit außergewöhnlichen Freizeitaktivitäten direkt im Hotel. 

 

Aktiv in der Natur 

Während der Pandemie entdeckten viele Menschen die Natur neu – zur Entspannung, Bewegung und aus Gründen des Social Distancing. Die "Zurück-zur-Natur"-Bewegung fällt mit dem Boom des langsamen Reisens zusammen, etwa zu Fuß, mit dem Boot oder dem Wohnmobil oder des aktiven Urlaubs mit Radfahren, Wandern, Skifahren, Klettern oder Kajakfahren. Nicht überraschend sind zum Beispiel die Fahrradverkäufe in den USA 2020 um mehr als zwei Drittel gestiegen.

 

Mit der Reise ein Ziel verfolgen

Viele Reisende schauen inzwischen mehr auf den Sinn und Zweck ihrer Tour, sei es das Wiedersehen mit der Familie, die Besteigung des Kilimanjaro, philanthropische Reisen oder das Erlernen neuer Fähigkeiten. Die Suche nach dem Sinn des Reisens ist eine höchst individuelle Sache, aber die Reisebranche bietet kreative Angebote. Im neuen „Mauna Lani“ etwa, einem „Auberge Resort“ auf Hawaii, können Gäste, die eine Fitness-Herausforderung suchen, die hawaiianische Trainingsmethode des Unterwasser-Felsenlaufs erlernen oder einen Kurs im Freiwasserschwimmen absolvieren.

 

Fazit: Die Entwicklung der Wellnessbranche 

Menschen, die ein gesundes Leben führen – regelmäßig Sport treiben, sich gut ernähren und ein unterstützendes System haben – sind besser im Kampf gegen Covid-19 gerüstet. Diejenigen, die sich gut um sich selbst kümmern und chronischen Krankheiten vorbeugen, sind in der besten Lage psychisch und physisch gesund zu bleiben. Die Experten des Reports Wellnesstrends 2021 des „Global Wellness Summit“ verbindet der Glaube, dass Wellness unsere Umgebung und unser Leben in der Zukunft verbessern, überraschen und inspirieren wird. Wellness hat sich von einem "nice to have" zu einem Muss für alle entwickelt. Aber es gibt noch viel zu tun. 

 

Über das GWI:

Das Global Wellness Institute (GWI) ist eine gemeinnützige Organisation mit der Mission, Wellness weltweit zu fördern, indem der öffentliche und private Sektor über präventive Gesundheit und Wellness aufgeklärt wird. Die Forschung, Programme und Initiativen des GWI haben maßgeblich zum Wachstum der 4,5 Billionen US-Dollar schweren Wellness-Wirtschaft beigetragen - und zur Vereinigung der Gesundheits- und Wellness-Industrie.

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