24. Juli 2021, von Cornelia Tautenhahn

Hop oder Flop? Zahlen sich Fitnessangebote im Hotel aus?

Fitness auf dem Hotel-Zimmer, Personal Training, Nachhaltigkeit und Achtsamkeit: Ein Gespräch mit Wolfgang Falkner vom „SpaCamp“ über Fitnessangebote in Hotels. 

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Fitnessangebote in Hotels werden immer mehr nachgefragt

„Fitnessangebote haben in den letzten 10 Jahren im Spa- und Wellness-Hotel stetig zu genommen.“

 

Wolfgang Falkner ist Inhaber und Geschäftsführer bei „The CampCompany“ und hat das Ohr an der Spa- und Wellness-Hotellerie. Hier spielen Fitnessangebote eine immer größere Rolle. Für die Fitnessbranche ein idealer Anknüpfungspunkt, nicht nur in Punkto Ausstattung. Auch Kooperationen mit Trainern und Studiobetreibern können sinnvoll sein. 

Das SpaCamp ist das Branchenevent für die Spa- und Wellness-Hotellerie, den Gesundheitstourismus sowie die Spa-Industrie. In diesem Jahr findet die Veranstaltung vom 15. bis 17. November im Edelweiss Salzburg Mountain Resort statt. 

FIBO: Das SpaCamp ist die Ideenwerkstatt für die Spa- und Wellness-Hotellerie. Welche Themen stehen bei euch 2021 im Fokus?

Wolfgang Falkner: Ja, bei uns dreht sich alles um neue Ideen und wie man diese bestmöglich in die Praxis führen kann. Das Besondere ist, dass die Teilnehmer:innen selbst Themen vorschlagen können. In der Regel sind es auch sie, die am besten wissen, wo im Alltag der Schuh drückt, wo es sich lohnt, genauer hinzuschauen und sich hier gemeinsam auf die Suchen nach Antworten zu machen. 

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Wolfgang Falkner

Unser Motto in diesem Jahr lautet, „Alles was Mut macht!“. Damit wollen wir anregen, offen für Veränderungen zu sein. Das zentrale Thema ist hier sicher das Thema der Nachhaltigkeit – sozial und ökologisch. Hier sind wir alle gefordert und wir müssen bereit sein für Veränderungen. Ich freue mich sehr, dass diese Botschaft sich auch in den Themenvorschlägen der Teilnehmer:innen widerspiegelt. Nachhaltigkeit ist aber auch nur mit mehr Achtsamkeit zu erreichen – sich selbst gegenüber aber auch der Natur. Wenn Corona eines bewirkt hat, dann, dass wir sehen, wie wir als Welt zusammenhängen und dass wir uns nicht abkapseln dürfen. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir auch die Klimakrise meistern werden, aber wir müssen wirklich etwas ändern. Jetzt!

 

Welche Rolle spielen Fitnessangebote in den Hotels? Gab es Veränderungen in den vergangenen Jahren?

Falkner: Fitnessangebote haben in den letzten 10 Jahren im Spa- und Wellness-Hotel stetig zu genommen. Die Bereiche wurden größer, schöner aber auch zentraler. Hier sind aber nicht nur gute Geräte ein wichtiger Punkt, sondern auch die die individuelle Betreuung vor Ort durch qualifizierte Trainer. Das Personal-Training hat hier sicher an Bedeutung gewonnen, aber auch sanfte Bewegung wie Yoga. Durch Corona ist Fitness auf dem Hotel-Zimmer ein heißes Thema. Aber Fitness hat auch Outdoor weiter erobert – d.h. Bewegung in der freien und schönen Natur. Spa-Managerin Lisa Stangier, mit der ich auch auf der FIBO einen digitalen Vortrag halten werde hat gemeint, dass gerade achtsame und bewusste Fitness das Thema der Zukunft sein wird. 

 

Fitness und Spa, wie kann das noch besser zusammenwachsen?

Falkner: Der folgende Satz wird zwar immer wieder betont, und man kann ihn schon fast nicht mehr hören, aber in der Essenz stimmt es natürlich: Ein Spa sollte ein Ort für Körper, Geist und Seele gleichermaßen sein. D.h. den ganzen Menschen ansprechen, bewegen und berühren

Der/die eine möchte eher aktiv sein, und mit Bewegung den Kopf frei bekommen, der/die andere möchte eher entspannen und sich erholen, ein/e andere/r möchte sich inspirieren und auf neue Gedanken kommen. Dennoch kommt das eine nicht ohne das andere aus. Body & Mind gehören einfach zusammen und hier gibt es auch immer mehr Packages, die in diese Richtung gehen, wie z.B. die sehr beliebten Yoga-Retreats zeigen. 

 

Welche Möglichkeiten gibt es speziell für Studiobetreiber mit Hotels zusammenzuarbeiten? Gibt es hier Best Practices, die Sie nennen können? 

Falkner: Das ist eine sehr gute Frage. Leider habe ich hier keine konkreten Best-Practice-Beispiele. Gerade die 4s- und 5-Sterne Hotellerie hat hier meist eigene Fitnessbereiche, die sie oft auch selbst betreibt. Aber gerade für kleinere Betriebe, die das Glück haben, in der Nähe ein Fitnessstudio zu haben, wäre das eine sehr gute Möglichkeit - nicht zu vergessen die Stadthotellerie. Was schon gemacht wird ist, dass Hotels mit externen Trainern zusammenarbeiten, z.B. mit Yoga-Professionals.  

 

Durch die Corona-Krise hat die Digitalisierung in der Fitnessbranche einen Schub bekommen. Inwieweit gilt das auch für die Spa- und Wellness-Hotellerie? 

Falkner: Ja, die Digitalisierung hat auch in der Hotellerie einen großen Schub erhalten. Auf einmal musste man sich nach digitalen Lösungen umschauen. Zum Beispiel wurden in vielen Hotels aufgrund Hygieneregeln klassische Broschüren abgeschafft und auf digitale Spa-Menüs auf Tablets gesetzt, die auch einfach gereinigt werden können. Generell wurde auch weniger Papier als Werbematerial versendet, dafür aber mehr Buchungssystem, die Website und auch das Suchmaschinen-Marketing optimiert oder auch ganz neue Kanäle integriert. Ich kenne eine SpaCamp-Teilnehmerin und Hotelière, die einen eigenen Podcast gestartet hat und so mit ihren Stammgästen in Verbindung bleibt - eine tolle Idee! Bei all der Digitalisierung sollte man aber nicht vergessen, dass das stärkste immer noch die direkte Begegnung mit dem Menschen als Ganzes ist. Die Balance ist hier entscheidend.